Kunststoffe sind aus dem Bauwesen kaum wegzudenken. Sie finden sich in Bodenbelägen, Dämmstoffen, Fassaden, Fenstern oder Rohrleitungen. Doch ihre Herstellung basiert überwiegend auf fossilen Rohstoffen und verursacht erhebliche CO₂-Emissionen. Gleichzeitig werden weltweit weniger als 10 % aller Kunststoffe tatsächlich recycelt. Vor diesem Hintergrund gewinnt Bambus als biobasierte Alternative zunehmend an Bedeutung. Nachhaltigkeitsexperte Dr. Pablo van der Lugt fordert zu einem konsequenten Umdenken im Bausektor auf. Er belegt, dass Kunststoffe durch biobasierte Materialien wie Bambus ersetzt werden können.
Wie eine aktuelle Veröffentlichung des International Bamboo and Rattan Organisation (INBAR) zeigt, bietet verarbeiteter Bambus großes Potenzial, petrochemische Kunststoffe im Bausektor zu ersetzen. Das schnell nachwachsende Material erreicht bereits nach vier bis fünf Jahren die Erntereife, speichert während seines Wachstums Kohlenstoff und lässt sich am Ende seiner Nutzung deutlich besser in biologische Stoffkreisläufe integrieren als konventionelle Kunststoffe.
Technisch entwickelte Bambuswerkstoffe eignen sich heute bereits für zahlreiche Anwendungen – von Bodenbelägen über Fassaden bis hin zu Dämmplatten und Terrassensystemen. Sie können PVC, Polyurethan-Dämmstoffe oder Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe ersetzen und tragen gleichzeitig zu einer besseren CO₂-Bilanz von Gebäuden bei. Umweltproduktdeklarationen (EPDs) belegen, dass Bambusprodukte aufgrund ihrer Kohlenstoffspeicherung und vergleichsweise geringen Herstellungsemissionen erhebliche Klimavorteile bieten.
Damit Bambus sein Potenzial vollständig entfalten kann, sind jedoch weitere Fortschritte erforderlich. Dazu zählen biobasierte Klebstoffe, der Ausbau regionaler Anbauflächen, Rücknahmesysteme für Bambusprodukte sowie politische Rahmenbedingungen, die biobasierte Baustoffe gezielt fördern. Nach Einschätzung der Autoren könnte Bambus so zu einem wichtigen Baustein einer zirkulären und klimafreundlichen Bauwirtschaft werden.

