Beim DenkmalCamp der Sto-Stiftung richten Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker aus vier Ländern eine mittelalterliche Kirchenburg im rumänischen Martinsdorf wieder her. Dabei erlernen sie traditionelle Techniken direkt am Objekt und arbeiten im internationalen Team an einem Stück lebendiger Geschichte.
Historische Bauwerke erzählen, wer wir sind und was Generationen vor uns konnten. Sie zeigen Geschichte in Stein, Holz und Farbe. Genau hier setzt das DenkmalCamp der Sto-Stiftung an. Nachwuchstalente aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz arbeiten Seite an Seite in einer mittelalterlichen Kirchenburg in Martinsdorf in Rumänien. Sie sichern die Substanz, erlernen Restaurierungstechniken im Pfarrhaus und nehmen sich auch des Wehrturms an.
Der Fokus des DenkmalCamps, das in diesem Jahr vom 22. bis 31. Juli stattfindet, liegt nicht nur auf der Restaurierung, sondern auch auf der Vermittlung von Wissen über traditionelle Bautechniken. Bis zum 31. März haben Auszubildende im zweiten Lehrjahr des Maler-, Lackierer- und Stuckateurhandwerks Zeit, sich um einen Platz zu bewerben. Erfahrene Meisterinnen und Meister ihres Fachs geben ihr Wissen an die jungen Talente weiter und schaffen so eine lebendige Brücke zwischen den Generationen. „Das DenkmalCamp hebt sich ab, weil die Teilnehmenden direkt an historischen Schauplätzen mitarbeiten – nicht an Modellen, sondern am Original“, betont Ingeborg Totzke, Stiftungsrätin Handwerk der Sto-Stiftung. „Dank konkreter Aufgaben schärfen sie ihr Können unter realen Bedingungen. Zugleich helfen sie mit, Traditionen lebendig zu halten und die alten Gebäude instand zu setzen.“
Auszubildende vertiefen ihr Können
Das DenkmalCamp vermittelt den Maler- und Stuckateur-Azubis wertvolle Kenntnisse über historische Baustile, Materialien und Techniken. Dazu gehören zum Beispiel das Stuckziehen und die Graumalerei, bei der aufgemalte Schatten Objekte plastisch wirken lassen. Besondere Fertigkeiten, die über die reguläre Ausbildung zur Malerin oder zum Maler hinausgehen. „Einen Einblick in die Arbeit der Restauratoren und der Kirchenmalermeisterinnen zu bekommen, war wirklich spannend, und von den Referenten habe ich viel gelernt“, sagt Jenniffer Fiedler aus Weimar, die im vergangenen Jahr beim DenkmalCamp dabei war. „Die Zeit in Rumänien war wunderschön“, ergänzt Auszubildende Nina Leitenberger aus Stuttgart. „Mir haben vor allem der Austausch mit den Menschen, aber auch die vielen Ausflüge und Workshops gefallen.“
Neben der Verbesserung der beruflichen Fähigkeiten steht bei den jungen Talenten noch ein weiterer Aspekt im Vordergrund: die gemeinsame Arbeit mit Menschen aus anderen Ländern. Hier können sie Kontakte knüpfen, sich austauschen und mit Experten vernetzen. „In meinem Betrieb bin ich die einzige Auszubildende, deshalb war es toll, zum ersten Mal mit anderen Azubis zusammenzuarbeiten“, blickt Antonia Langenstein aus Luzern zurück.
Mit jeder ausgebesserten Fuge sorgen die Teilnehmenden dafür, dass die Geschichte der Gemeinde nicht verblasst. Das DenkmalCamp wirkt damit über die Baustelle hinaus. Es vermittelt handwerkliches Können und stärkt zugleich das Bewusstsein für kulturelle Identität. Die Gemeinde Martinsdorf verfolgt die Arbeiten aufmerksam. Viele zeigen sich beeindruckt von der Energie und dem Stolz, mit dem die jungen Handwerkerinnen und Handwerker ans Werk gehen. So rückt die Kirche wieder ins Zentrum des Gemeindelebens.
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