Ausbildungsbotschafter sind Auszubildende, die in Schulen gehen und Schülerinnen und Schüler über ihre Ausbildung, den Beruf und ihren eigenen Werdegang informieren. Ausbildungsbotschafter-Initiativen werden häufig von Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern gegründet, um damit junge Menschen direkt, authentisch und auf Augenhöhe zu erreichen. Sie stoßen dabei jedoch regelmäßig an strukturelle Grenzen im Bildungssystem. Fehlende Verbindlichkeit, uneinheitliche Zugänge zu Schulen und oft eine zu späte Ansprache bremsen ihre Wirkung. Zu diesem Ergebnis kommt ein bundesweiter Austausch der Ausbildungsbotschafter-Initiativen, der am 19. März 2026 in der IHK Düsseldorf stattfand.
Während Berufsorientierung durch Ausbildungsbotschafter an Haupt- und Realschulen häufig fest verankert ist, bleibt der Zugang zu Gymnasien – je nach Bundesland – oft punktuell.
Uneinheitlicher Zugang zu Schulen bremst Reichweite
Ob entsprechende Angebote stattfinden, hängt in der Praxis häufig vom Engagement einzelner Lehrkräfte oder von landesspezifischen Regelungen ab. Diese fehlende Verbindlichkeit erschwert die Planung und eine höhere Reichweite. Gleichzeitig verlieren klassische Informationsformate wie Vorträge, Infoabende oder Messen an Wirkung. Gefragt sind dialogorientierte und praxisnahe Formate. Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter gelten als besonders wirksam, da sie glaubwürdige Einblicke geben und Hemmschwellen abbauen. Zudem sind sie „Role Models“, mit denen sich Jugendliche identifizieren können.
Berufsorientierung setzt häufig zu spät an
Ein zentrales Problem: Viele Jugendliche setzen sich erst dann mit ihrer beruflichen Zukunft auseinander, wenn bereits Zeitdruck hinsichtlich einer Entscheidung besteht. Die Initiativen plädieren daher für eine deutlich frühere und kontinuierlichere Verankerung von Berufsorientierung im Schulalltag. Denn die Berufs- und Studienwahl ist ein zentraler Teil der Lebensplanung. Der Handlungsbedarf zeigt sich auch im Studium: Die Abbruchquote an Hochschulen liegt aktuell bei durchschnittlich 30 Prozent. Viele Studienabbrecherinnen und -abbrecher wechseln anschließend in eine betriebliche Ausbildung. Wären sie vorab besser informiert gewesen, könnten solche Abbrüche vermieden werden.
Eltern stärker einbinden
Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Berufswahl, sind jedoch schwer zu erreichen. Bestehende Informations- und Austauschformate sollten daher systematischer genutzt und flächendeckend ausgebaut werden.
Mehr Strukturen statt Einzelprojekte
Die zentrale Erkenntnis: Es mangelt nicht an Ideen, sondern an verlässlichen Rahmenbedingungen. Neben der Weiterentwicklung bestehender Formate braucht es strukturelle Lösungen – mit klareren Vorgaben für Schulen und einer strategischeren Einbindung von Berufsorientierung, insbesondere auch an Gymnasien. An dem Austausch der Ausbildungsbotschafter im März beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter der Kammern, aus Bildungseinrichtungen, der Verwaltung und der Politik.
Die Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der Initiativen einfließen. Ziel ist es, mehr Unternehmen, Kammern und Schulen für eine Beteiligung zu gewinnen und die Reichweite der Ausbildungsbotschafter bei Jugendlichen zu erhöhen.
Über die Ausbildungsbotschafter-Initiativen
Seit 2023 arbeitet das RKW Kompetenzzentrum im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) an der Etablierung eines bundesweiten Netzwerks der Ausbildungsbotschafter-Initiativen.
Aktuell sind 113 Ausbildungsbotschafter-Initiativen Teil des Netzwerks. Die Aufgabe des RKW Kompetenzzentrums ist es, bestehende Ausbildungsbotschafter-Initiativen zu vernetzen, Wissen und Best Practices zu teilen und Unterstützung und Austausch zu bieten.

