Die MALERBuddies-Community hat schon immer großes Interesse am Sachverständigenwesen gezeigt. Also haben wir uns Oliver Köhler geschnappt – von der Handwerkskammer Unterfranken öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Maler- und Lackiererhandwerk – und ihm die meistgestellten Fragen unserer Follower vorgelegt. Viel Spaß beim Lesen!
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Hier gibt es das Interview zum nachlesen:
Hallo Oliver! Wie bist du Sachverständiger geworden?
Als Maler- und Lackierermeister war die Weiterbildung zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für mich der logische und zugleich spannende nächste Schritt. Damals galt noch die Voraussetzung, mindestens 30 Jahre alt zu sein. Zusätzlich mussten drei Seminare beim IfS (Institut für Sachverständigenwesen, Köln) absolviert werden. Nach einem Jahr eigener intensiver Vorbereitung auf die Sachverständigenprüfung meldete ich mich anschließend beim Landesinnungsverband in München zur Prüfung an und habe diese dann im Jahr 2005 erfolgreich ablegt. Anschließend erfolgten meine öffentliche Bestellung und Vereidigung vor der Handwerkskammer Würzburg.
War das schon immer dein Ziel?
Ja, tatsächlich war das schon immer mein Ziel. Bereits nach der Meisterprüfung hatte ich den Wunsch, mich intensiver mit Schadensursachen, Materialfragen und handwerklich-technischen Problemstellungen auseinanderzusetzen. Mich hat schon immer interessiert, warum etwas passiert, etwa, warum sich eine Beschichtung ablöst oder eine Oberfläche bestimmte Mängel zeigt.
Als Sachverständiger kann ich genau das tun: Ursachenforschung betreiben, objektiv bewerten und zu einer fachlich fundierten Lösung beitragen.
Welche Voraussetzungen braucht man, um Sachverständiger zu werden?
Um Sachverständiger zu werden, sind mehrere Voraussetzungen erforderlich. Neben der fachlichen Qualifikation also dem Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk oder einer gleichwertigen Ausbildung spielt vor allem mehrjährige praktische Berufserfahrung eine zentrale Rolle. Hinzu kommen anerkannte Lehrgänge, bestandene Prüfungen und eine besondere persönliche Eignung, die Integrität, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit umfasst. Entscheidend ist außerdem die Unabhängigkeit und Neutralität, also das Fehlen wirtschaftlicher oder persönlicher Abhängigkeiten zu den Beteiligten. Sachverständige sind verpflichtet, sich kontinuierlich fortzubilden – fachlich, methodisch und rechtlich. Dazu gehören aktuelle Normen und Richtlinien, neue Beschichtungs- und Prüfverfahren, Dokumentationsstandards sowie Entwicklungen im Bau- und Werkvertragsrecht. Die öffentliche Bestellung ist befristet und wird in der Regel alle fünf Jahre durch die zuständige Handwerkskammer verlängert. Dabei werden fachliche Aktualität, persönliche Eignung, Unabhängigkeit und die Einhaltung der Berufspflichten überprüft. Fortbildung ist somit nicht nur Qualitätsanspruch, sondern auch Voraussetzung für den Erhalt der öffentlichen Bestellung.
Wie stellst du sicher, dass dein Gutachten im Streitfall neutral und objektiv bleibt?
Objektivität ist das Fundament meiner Arbeit. Ich bewerte ausschließlich technische Fakten unabhängig vom Auftraggeber, von Interessenlagen oder Emotionen. Meine Gutachten basieren auf nachvollziehbaren Messungen, Prüfungen und einer lückenlosen Dokumentation, beispielsweise durch Probenahmen, Feuchtigkeits- und Schichtdickenmessungen, Fotodokumentationen und Prüfberichte.
Als öffentlich bestellter Sachverständiger bin ich verpflichtet, unparteiisch und weisungsfrei zu handeln. Diese Neutralität ist nicht nur gelebte Berufsethik, sondern ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Bestellung und wird im Rahmen der Wiederbestellung regelmäßig überprüft.
Welche Art von Aufträgen erhältst du am häufigsten?
Die Bandbreite meiner Gutachten ist sehr vielfältig und umfasst nahezu alle Themen rund um Beschichtungen, Oberflächen und bauhandwerkliche Leistungen im Maler- und Lackiererbereich.
Zu meinen häufigsten Aufträgen zählen:
• Bauschadensgutachten, insbesondere zur Beurteilung von Schäden an Anstrichen, Beschichtungen und Putzsystemen,
• Ursachenermittlungen, etwa bei Schimmelbildung, Rissbildungen, Ablösungen oder Verfärbungen,
• Bewertungen von Mängelbeseitigungskosten auf Grundlage fachgerechter Instandsetzungsmaßnahmen und marktüblicher Preisansätze.
Darüber hinaus erstelle ich Gutachten zur Bauausführung, Materialqualität und Ausführungsmängeln, etwa bei fehlerhaften Beschichtungsaufbauten, unzureichender Untergrundvorbereitung oder Verstößen gegen technische Regelwerke.
Ebenso werde ich beratend bei Abnahmen tätig, um Auftraggeber oder Handwerksbetriebe objektiv zu unterstützen und fachlich zu informieren. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Überprüfung von Aufmaßen, beispielsweise zur Kontrolle von Leistungsabrechnungen oder Mengenangaben bei Unstimmigkeiten zwischen Auftraggeber und ausführendem Betrieb. Meine Auftraggeber sind Amts- und Landgerichte, Privatpersonen, Versicherungen sowie Polizei und Staatsanwaltschaften.
Jeder Auftrag ist anders, stellt eigene fachliche Anforderungen und erfordert ein hohes Maß an Präzision, Erfahrung und Neutralität genau das macht diese Tätigkeit so spannend und abwechslungsreich.
Was gefällt dir am meisten an deinem Beruf
Ganz klar: die Vielfalt, die Verantwortung und die Liebe zum Handwerk.
Ich schätze es sehr, komplexe Sachverhalte prägnant herauszuarbeiten und zu einer gerechten, technisch fundierten Lösung beizutragen. Jeder Auftrag verlangt ein hohes Maß an Fachwissen, Erfahrung und Objektivität das macht die Tätigkeit für mich so erfüllend. Gleichzeitig bin ich weiterhin mit voller Leidenschaft Malermeister. Farben, kreative Gestaltung und das Zusammenspiel von Technik, Material und Design faszinieren mich sie verändern Räume, Stimmungen und Atmosphären. Ob klassische Lackierung, moderne Spachteltechnik oder komplexe Fassadengestaltung: Jedes Projekt erzählt seine eigene Geschichte und trägt die Handschrift des Handwerks. Das Besondere an meiner Tätigkeit ist die Verbindung beider Welten: Als Sachverständiger analysiere und beurteile ich handwerkliche Leistungen mit technischer Präzision; als Malermeister bringe ich meine Leidenschaft für Gestaltung, Qualität und Ästhetik ein. Dieses Zusammenspiel aus Fachkompetenz, Kreativität und Verantwortung ist für mich mehr als ein Beruf es ist eine Berufung.

