Praxis

Ein Überblick aus Technik, Werkstoff, Umwelt

Ende Oktober fand in Kassel die Herbsttagung des Ausschusses Technik, Werkstoff, Umwelt des Bundesverbands Farbe und der Sachverständigenobleute der Landesverbände statt.

Um Nachhaltigkeit kommt keiner mehr herum. Auch für die Hersteller von Dämmstoffen wird sie ein immer wichtigeres Thema. Zum nachhaltigen Handeln gehört auch, dass Abfälle vermieden beziehungsweise zurück in den Wertstoffkreislauf geführt werden können.

Wesentlicher Baustein hierzu ist die Verwertung von Dämmstoffabfällen, die beim Zuschnitt als sortenreine Reste anfallen. Diese können wieder in die Produktion neuer Dämmstoffe eingebracht werden. Drei entsprechende Informationsbroschüren zur Entsorgung von Mineralwolle und EPS behandeln das Thema. Da der Bundesverband Farbe immer häufiger Anfragen erhält, was das Maler- und Lackiererhandwerk zur Nachhaltigkeit beiträgt, beteiligt dieser sich an diesen Merkblättern. Im Leitfaden „Der Weg zum schnellen und einfachen Recycling von Baustellenverschnitt aus Steinwolle“ des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) wird unter anderem erklärt, wie zum Steinwollerecycling beigetragen werden kann. So wird z.B. der Verschnitt in Big Bags, die beim jeweiligen WDVS-Anbieter bezogen werden können, sortenrein gesammelt.

Schäden bei Dämmplatten aus Resolhartschaum

Burkhard Hirseland berichtete über WDVS mit nachträglichen Plattenverformungen, die so stark waren, dass sich die Dämmplatten rasterartig sehr deutlich abzeichneten. Die Platten aus Resol-/Phenolharz waren offensichtlich so stark geschrumpft, dass sich zwischen den Plattenstößen Einbuchtungen zeigten.

Hirseland hatte entsprechende Informationen in den Verbandsnachrichten an die Mitglieder und zuletzt auch im MALER veröffentlicht. Nach Rücksprache mit den Herstellern gab es vor allem in der Anfangszeit wohl materialtechnische Probleme, die mittlerweile behoben seien. Nichtsdestotrotz sind Phenolharzdämmstoffe, was die Verarbeitung und Verarbeitungsbedingungen (Feuchteempfindlichkeit) angeht, anspruchsvoller als EPS-Platten. Dafür können sie wegen ihrer deutlich besseren Dämmeigenschaften ca. ein Drittel dünner ausfallen als herkömmliche Dämmplatten.

Tapete von asbesthaltigen Untergründen (Putz) entfernen

Anton Ruprecht vertritt den Bundesverband im DGUV-Arbeitskreis „Emissionsarme Verfahren nach TRGS 519 für Tätigkeiten an asbesthaltigen Materialien“.  Dieses Jahr konnte unter anderem ein emissionsarmes Verfahren zur Entfernung von Tapeten anerkannt werden, über das er berichtet. Bei dem Verfahren wird nicht wie üblich die Tapete mit einer Stachelwalze oder ähnlichem perforiert, sondern mit einem Cutter eingeschnitten und dann eingeweicht.

Ruprecht zeigte sich kritisch über dieses etwas praxisfremde Verfahren. Offensichtlich hatten die Antragsteller aber Bedenken, dass ansonsten zu viel Fasern emittiert werden würden. Jedenfalls steht mit diesem Verfahren jetzt eine erlaubte Arbeitsweise zur Tapetenentfernung zur Verfügung. Für den Umgang mit asbesthaltigen Untergründen gilt außerdem, dass im Betrieb eine verantwortliche Person über den Sachkundenachweis 4 C nach TRGS 519 verfügen muss.

Praktische Anwendung der Zentralen Expositions-Datenbank (ZED)

Dr. Klaus Kersting von der BG Bau vermeldete den Anwesenden die Fertigstellung der Eingabehilfe der BG Bau zur Zentralen Expositionsdatenbank und stellte das Programm vor. Im Malerhandwerk gibt es nur wenige krebserzeugende Gefahrstoffe, bestätigte Dr. Kersting. Allen voran ist Quarzstaub der wesentliche krebserzeugende Stoff, der alle Malerbetriebe betrifft. Weitere Schadstoffe sind Gebäudeschadstoffe wie Asbest oder PAK (Teerprodukte) sowie Holzschutzmittel. In modernen Produkten des Maler- und Lackiererhandwerks gibt es grundsätzlich keine krebserzeugenden Gefahrstoffe.

Wesentliche Information für die Anwesenden war, dass, so lange unterhalb eines Arbeitsschutzgrenzwertes oder einer Akzeptanzkonzentration gearbeitet wird, eine Eintragung in die zentrale Expositionsdatenbank nicht erforderlich ist. Dies betrifft z.B.  Schleifarbeiten auf zementären Untergründen. Hier kann bei der Bearbeitung Quarzstaub entstehen. Wenn jedoch staubarme Arbeitstechniken angewendet werden (abgesaugte Maschinen, siehe auch Förderliste BG BAU) bleiben Grenzwerte eingehalten. Gleiches gilt im Falle von Asbest, wenn emissionsarme Verfahren angewendet werden.

Alle erfassten Daten von den Mitarbeitern verbleiben zunächst im Betrieb. Verlässt ein Mitarbeiter den Betrieb, müssen ihm seine Daten übergeben und aus Datenschutzgründen im Betrieb gelöscht werden. Sinnvoll ist jedoch, die Daten an eine zentrale Erfassungsstelle (ZED) zu exportieren. Dann muss sich der Betrieb um nichts weiter kümmern. Der betreffenden Mitarbeiter muss allerdings der Weiterleitung an die zentrale Erfassungsstelle zustimmen. Laut Kersting werden die Daten nur für die Mitarbeiter ausgelesen, wenn im Krankheitsfall eine Berufskrankheit bestätigt werden soll. Zu anderen Zwecken (Überprüfung der Betriebe) wird die Datenbank nicht verwendet.

Steigende Energiepreise = mehr Schimmel?

Ein weiteres Thema der Tagung war die Frage, ob es durch die steigenden Energiepreise aufgrund des Spar-Verhaltens zu mehr Schimmel kommen wird. Stefan Ehle stellte diese These zur Diskussion.

Die Teilnehmer gehen grundsätzlich schon davon aus, dass sich das Thema bei einem kalten Winter verschärfen kann. Das Malerhandwerk hat das Thema Schimmelsanierung aber frühzeitig besetzt und kann entsprechende Leistungen anbieten. Aktuell bieten auf der Plattform der Malerakademie drei Verbände wieder Fortbildungslehrgänge zum Thema Schimmelsanierung an.

Berichte der Bundesfachgruppen

Ende Januar fanden zwei Lehrgänge zum Thema maschinelle Putzarbeiten statt, der auf Initiative des Bundesverbands Farbe und unter Federführung der Bundesfachgruppe Putz Stuck Trockenbau neu konzipiert wurde. Auf der Herbsttagung des Ausschusses Technik, Werkstoff, Umwelt des Bundesverbands Farbe berichtete die Bundesfachgruppe Putz Stuck Trockenbau, dass der Lehrgang ein großer Erfolg war. Er soll deshalb im nächsten Jahr, vom 18. bis 20. Januar 2023 und 25. bis 27. Januar 2023, wieder stattfinden. Teilnehmern wird unter anderem das Prüfen und Vorbereiten des Untergrundes für die Putzarbeiten, das Anbringen von An- und Abschlussprofilen sowie Putzleisten, die Putzlehren sowie das Vorbereiten und Anwenden von Putzmaschinen – sowohl an Decken als auch an Wänden – vermittelt.

Jörg Baumann berichtete anschließend über die Tätigkeiten der Bundesfachgruppe Fußbodentechnik. Er betonte, dass der Boden (Bodenbeläge, Bodenbeschichtungen) mit fast 10 % weiterhin ein wichtiger Markt im Maler- und Lackiererhandwerk.

Im Dezember 2021 hatten sich die Bundesfachgruppe Estrich und Belag im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, der Zentralverband der Raumausstatter, Sattler und Bodenleger, der Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik, Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung e.V. und der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz zu einer Zusammenarbeit handwerklicher Verbände zusammengeschlossen. Im Juli hat die Gruppe Formulare zum Abrufen von Estrichinformationen herausgegeben, die der Bodenleger vor Ausführung seiner Arbeiten benötigt.

www.farbe.de

Bild: Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz

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