Kirchenmaler sind qualifizierte Fachkräfte, deren Aufgabe die Restaurierung und Sanierung historischer und denkmalgeschützter Gebäude und Ausstattungen ist. Sie arbeiten überall dort, wo alte Techniken eingesetzt werden. Eine weitere Aufgabe der Kirchenmaler ist z.B. auch das Reinigen von Ölbildern, die Restaurierung von Figuren sowie Bildern, Wand und Decke. Kirchenmaler zeichnen sich außerdem durch ein besonderes Gespür für Oberflächenstrukturen aus und sind spezialisiert auf die historischen Techniken wie Wand- und Imitationstechniken, Polimentvergoldung sowie Pinselschriftarbeiten und Verziertechniken.
Kirchenmalerei gehört zum Maler- und Lackiererhandwerk, ist jedoch eine eigene Fachrichtung mit eigener Gesellen- sowie Meisterprüfung. Pro Jahr erlernen etwa fünf Auszubildende den Beruf eines Kirchenmalers. Um die Ausbildung und Nachwuchsförderung kümmert sich die Fachgruppe Kirchenmaler, die mit einer Nebensatzung beim Landesinnungsverband des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks angesiedelt ist und eng mit der Bayerischen Landesinnung des Vergolder- und Fassmalerhandwerks zusammenarbeitet.
Mehr Aufmerksamkeit für Kirchenmaler
In die Fachgruppe dürfen nur selbstständige Meister aufgenommen werden. Aktuell sind 27 Betriebe Mitglied. „Um für mehr Bekanntheit des Kirchenmaler-Berufs zu sorgen, genügen 27 Mitgliedsbetriebe nicht“, bemängelt Anneke Pfefferle. Die Leiterin der Fachgruppe setzt sich deshalb z.B. dafür ein, zukünftig auch angestellte Meister und engagierte Gesellen aufnehmen zu können.
Das Bekanntmachen des Berufs ist eines der Gründe, warum sie die Leitung der Gruppe übernommen hat. Denn wenn es irgendwann keine Kirchenmaler mehr gibt, wird auch das Wissen über die historischen Techniken verloren gehen. Laut Pfefferle wissen viele nicht, dass es Kirchenmaler als eigenständigen handwerklichen Beruf gibt. Geht es um eine Restaurierung denkmalgeschützter, geschichtsträchtiger Gebäude, wenden sich die Auftraggeber meist an akademische Restauratoren. „Dabei sind es die Kirchenmaler, die in den historischen Techniken hervorragend ausgebildet sind und das Know-how mitbringen. Dieses Bewusstsein muss wieder geschaffen werden“, sagt Pfefferle.
Um das zu erreichen benötigt es starke Partner. Die Fachgruppe Kirchenmaler arbeitet deshalb unter anderem eng mit den Handwerkskammern, dem Landesinnungsverband Bayern und auch der Landesinnung der Vergolder zusammen: „Gerade für eine so kleine Gemeinschaft wie die Kirchenmaler ist es wichtig, Menschen zu finden, die dieselben Ziele verfolgen und die gemeinsam mit einem vorangehen, um diese Ziele zu erreichen.“ Pfefferle ist überzeugt, dass gerade die „kleinen“ Innungen und Fachgruppen durch stärkere Zusammenarbeit, z.B. mit den Handwerkskammern aber auch miteinander, im Erreichen ihrer Ziele erfolgreicher sein werden.
Das Ziel aller Handwerkskammern, Innungsverbände, Innungen und Fachgruppen ist das Handwerk zu stärken, die Situation der Ausbildung und das Image der Handwerksberufe in der Gesellschaft zu verbessern. Einen Erfolg, den die Fachgruppe der Kirchenmaler erreicht hat, war die Aufnahme der traditionellen „Mal-, Fass- und Vergoldertechniken des Kirchenmalers“ in das Bundesverzeichnis und die Bayerische Landesliste des immateriellen Kulturerbes. Dies stellt einen großen Schritt zum verbesserten Image des Berufs dar.
Respekt vor dem „Alten“
„Wir setzen uns dafür ein, dass wir hervorragende Handwerker in den historischen Techniken ausbilden“ so Pfefferle. „Denn an unserem Denkmal dürfen nur perfekt ausgebildete Handwerker arbeiten.“ Das ist vor allem wichtig, da Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden immer auch mit Auflagen und Vorgaben einhergehen. Vorsicht ist vor allem gefragt, wenn Farbfassungen überarbeitet werden und eventuell auch jüngere Fassungen abgenommen werden sollen. Hier dürfen in keinem Fall Schäden verursacht werden, noch dürfen historisch wichtige Informationen durch eine Freilegung verloren gehen.
Das Bewahren der historischen Gebäude in Deutschland ist für die Fachgruppenleiterin und Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die Gesellenprüfung eine Herzensangelegenheit. Es war für sie vor rund 30 Jahren selbst ein Grund, diesen Beruf zu wählen. „Als Kirchenmalerin muss man den Respekt vor unseren alten Gebäuden und unseren Vorfahren, die diese historischen Schätze mit alten Techniken geschaffen haben, mitbringen“, sagt sie.
Bild: Das MALER-Team (Josefine Schrott (2.v.l) und Kyra Kutter (re.)) haben Anneke Pfefferle (Mitte) in der Rahmenwerkstatt Karl Pfefferle zum Gespräch getroffen. Mit auf dem Bild sind auch Michael Pfefferle, Geschäftsführer der Werkstatt (li.), und Claudius Wolfrum, Geschäftsführer Landesinnungsverband des Bayerischen Maler-und Lackiererhandwerks.
Quelle: Verlag W. Sachon

