DER MALER: Wie laufen die Vorbereitungen auf die Europameisterschaften der Berufe im September in Danzig?
Freya Spitzer: Sie laufen nach Plan und sind umfangreich. Neben dem Vervollkommnen handwerklicher Techniken wie etwa dem Lack-Intensiv-Workshop von Caparol stehen auch Mentaltrainings seitens der EuroSkills auf dem Programm. Dabei wurden zum Beispiel Techniken besprochen, wie man mit Stresssituationen gut umgehen kann.
MALER: Welche Techniken sind das?
Spitzer: Dazu gehört, einfach mal durchzuatmen, sich zu fokussieren, weiter zu machen, nicht zu lange beim Problem verharren und frustrieren lassen, sondern seine Ziele im Auge behalten. Trotz der Anspannung und Konzentration auf die richtige Atemtechnik achten und auch nicht vergessen, regelmäßig zu trinken. Das ist Voraussetzung, die ganze Zeit über optimal leistungsfähig zu bleiben.
MALER: Kommen wir aufs Handwerkliche zu sprechen? Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Spitzer: Im Wettbewerb sollte ich ganz gute Chancen beim Lackieren haben. Während der Lack-Workshops konnte ich viel mitnehmen. Beim Lackieren der Türe zum Beispiel kommt es besonders auf die Wahl des Werkzeugs an. Wie groß sind die jeweiligen Flächen? Und sollte ich lieber eine kurz- oder eine langflorige Rolle verwenden? Durch weitere Trainingseinheiten mit Caparol Fachmann Diego Gomez-Velazquez und Bundestrainer Matthias List bin ich auch beim Logo-Design zuversichtlich. Das habe ich jetzt schon sehr oft geübt und denke, das sitzt. Mein größter Knackpunkt ist, sich gut zu organisieren. Durch mein kreatives Chaos verlege ich mitunter Dinge. Und Suchen kostet Zeit.
MALER: Abgesehen vom Lackieren und Logo-Design, in welchen Disziplinen sind die Teilnehmenden bei den EuroSkills sonst noch gefordert?
Spitzer: Auf dem Programm stehen außerdem Tapezieren, eine freie Design-Technik und der Speed-Wettbewerb. Es erfordert schon Selbstbewusstsein, bei der Speed-Challenge einfach mal so schnell loszulegen. Man muss auf alles gefasst sein. Denn die große Herausforderung besteht darin, dass man die Aufgabe gerade mal mit einem Vorlauf von 15 Minuten gestellt bekommt und wenig Zeit hat zu überlegen, wobei eins klar ist: Es muss schnell und gleichzeitig akkurat gearbeitet werden. Bei der Bewertung durch die Jury wird in Millimetern gemessen mit nur einem Millimeter Toleranz. Bei der freien Design-Technik liegt der Fokus auf den Faktoren Kreativität und individueller Ausdruck. Dabei wird die Komplexität der umgesetzten Techniken bewertet, ebenso wie die saubere Ausführung. Das Ganze wieder unter Zeitdruck.
MALER: Was erhoffen Sie sich von den Trainingseinheiten für die EuroSkills?
Spitzer: Soweit und so gut vorbereitet zu sein, dass die einzelne Arbeitsschritte je Aufgabe sitzen. Die Abläufe so gut drauf zu haben, dass sie in Fleisch und Blut übergehen und ich sie im Schlaf abrufen und ausführen kann. Für ein Nachdenken bleibt beim Wettbewerb keine Zeit. Es muss einfach alles sitzen.
MALER: Gibt es auch ein Rezept, mit eventuellen Rückschlägen umzugehen, wenn etwas nicht wie gewünscht klappt?
Spitzer: Wenn irgendwas nicht funktioniert – und es wird immer etwas schieflaufen – ist es wichtig, weiterzumachen. Sollte ein Fehler allerdings so gravierend sein, muss man das akzeptieren und sich sagen, dann ist das so, ich hole mir meine Punkte woanders.
MALER: Fühlst Du Dich fit für die große Herausforderung?
Spitzer: lch trainiere fünf Tage die Woche und bin auf jeden Fall gut vorbereitet und motiviert. Allein, dass ich es so weit geschafft habe, ist ein großer Erfolg. Jetzt freue ich mich auf den Wettbewerb und darauf, neue nette Menschen kennenzulernen. Natürlich würde ich gerne gewinnen, aber am wichtigsten ist, sich persönlich weiter zu entwickeln, an seinen Aufgaben zu wachsen und sein Bestes zu geben. Wenn man für sich sagen kann, man hat alles gegeben und ist zufrieden, dann ist alles andere im Grunde egal.
Mehr über Freya Spitzer und das aktuelle Maler-Nationalteam gibt’s hier.
Bild: Vertritt Deutschland bei den EuroSkills 2023 in Danzig: Freya Spitzer
Quelle: Caparol Farben Lacke Bautenschutz

