Gleichberechtigung der Frauen im Handwerk

Passend zum heutigen Weltfrauentag berichten wir über Sandra. Sie ist Handwerkerin aus Leidenschaft und Model. Wichtig ist ihr, das Image des Handwerks zu verbessern und einen Beitrag für die Gleichberechtigung der Frauen im Handwerk zu leisten.

Sandra, warum hast Du Dich für einen handwerklichen Beruf entschieden?

Mein Vater und mein älterer Bruder waren Handwerker. Ihre Arbeit hat mich von klein auf fasziniert. Beide haben mir vieles erklärt und beigebracht und so meine Liebe zum Handwerk geweckt. Mit 16 beschloss ich dann endgültig, mein Hobby zum Beruf zu machen, und habe eine Ausbildung im Handwerk begonnen.

Wie waren die Reaktionen?

Als ich vor zehn Jahren meine Ausbildung begonnen habe, war das Image des Handwerks schlecht. Frauen waren damals eine absolute Seltenheit auf der Baustelle. Die Reaktionen fielen dann auch sehr unterschiedlich aus. „Geh doch lieber studieren oder in die Industrie. Das ist doch nichts für eine Frau,“ habe ich damals oft gehört.

Wie ist es heute? Hat sich die Situation für Frauen im Handwerk verändert?

Es war mein Ziel, nicht nur eine gute Handwerkerin zu werden, sondern auch das Image des Handwerks zu verbessern und einen Beitrag für die Gleichberechtigung der Frauen im Handwerk zu leisten. Rückblickend muss ich sagen, dass sich tatsächlich einiges bewegt hat. Wir präsentieren unsere Arbeiten auf Social Media und stellen dabei die Vielseitigkeit der handwerklichen Berufe und die wirklich guten Verdienstmöglichkeiten vor. Da ich mittlerweile nicht nur als Handwerkerin, sondern auch als klassisches Model unterwegs bin, erreiche ich die jungen Leute in den sozialen Medien sehr gut und kann positiv übers Handwerk berichten.

Gibt es etwas, das Du speziell für Mädchen machst?

Um Vorurteilen so früh wie möglich vorzubeugen, fängt man am besten bei den Kindern an. Sie sind noch unvoreingenommen. Ich bin Mitautorin eines Kinderbuches, das sich vor allem an Mädchen richtet. Darin versuchen wir, den Kiddies zu vermitteln, wie schön das Handwerk ist.

War das Betriebsklima am Arbeitsplatz von Anfang an fair oder hattest Du das Gefühl, mehr leisten zu müssen als Deine männlichen Kollegen, um anerkannt zu werden?

Gelernt habe ich in einem kleinen Betrieb. Mein Chef und ein Geselle. Beide haben mich von Anfang an respektiert und mich sehr gut ausgebildet. In der Berufsschule dagegen war es nicht so einfach. Ich war das einzige Mädchen in der Klasse. Man merkte an vielen Details, dass Frauen normalerweise keinen handwerklichen Beruf ergriffen haben. Beim Sportunterricht gab es z. B. keine Umkleidekabinen für Frauen. Deshalb musste ich mich in der Besenkammer umziehen. Auch wenn ich in den sozialen Medien meinen Arbeitsalltag zeige, gibt es immer noch Männer, die sich abschätzig äußern. Insgesamt aber ich muss sagen, dass die Akzeptanz im Laufe der Jahre viel größer geworden ist. Es sind inzwischen viele Menschen, die Frauen im Handwerk hundertprozentig akzeptieren. In meinem Betrieb arbeiten alle männlichen Kollegen gerne mit mir zusammen.

Das Handwerk gilt nach wie als „männlich“. Glaubst Du, dass es bestimmte Fähigkeiten gibt, die Frauen besser beherrschen als Männer?

Generell denke ich, ist das Geschlecht nicht wichtig. Wenn man über handwerkliches Geschick verfügt und gerne arbeitet, dann macht jeder seine Arbeit gut. Aber natürlich gibt es Unterschiede. Männer können besser größere Gewichte heben. Dagegen kann ich mit meinen schmaleren Händen viele andere Arbeiten einfacher ausführen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass jedes Handwerksunternehmen auch Frauen beschäftigen sollte. Das ist einfach sehr gut fürs Betriebsklima. Und im Jahr 2023 sollte eigentlich jedem klar sein, dass ein Handwerk nur von guten und fähigen Leuten ausgeübt werden kann. Und da gibt es jede Menge Frauen und Männer.

Das vollständige Interview finden Sie hier.

(Bild: James Hardie Europe GmbH)

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