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Hersteller widerspricht Pauschalurteil zu Energiesparfarben

Nach der jüngsten Veröffentlichung des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V. (VDPM) sowie des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), in der sogenannte „Energiesparfarben“ als energetisch wirkungslos eingestuft werden, regt sich nun Widerspruch.

In der Verbandsmeldung wird als einziges Beispiel die Farbe „Bauter Nano-Dämmung“ eines Berliner Unternehmens untersucht, das laut Handelsregister inzwischen abgemeldet wurde. Der Test kommt zu dem Ergebnis, dass diese Beschichtung keine messbare Wärmedämmwirkung aufweist. Diese Vorgehensweise kritisiert der Anbieter der Klimafarbe Solarcolor, da sie eine Pauschalisierung aller Farben dieser Art darstellt. 

Geschäftsführer Holger Hennicke erklärt dazu: „Wir haben nie behauptet, dass unsere Produkte Wärmedämmstoffe ersetzen oder klassische Lambda-Werte erreichen.“

Fehlerhafter Ansatz der Verbandsuntersuchung

Aus Sicht des Anbieters beruht die Untersuchung des Verbandes auf einem fehlerhaften und falschen Ansatz zur Funktionsprüfung von sogenannten „Energiesparfarben“. Durchgeführt wurde ein klassischer Dämmstoff-Test, mit dem eine dämmende Wirkung widerlegt werden soll – eine Eigenschaft, die diese Produkte jedoch gar nicht versprechen.

„Unsere Systeme wirken nicht über Dämmung im Sinne eines Wärmedurchlasswiderstands, sondern über Strahlung, Konvektion und Verdunstung. Deshalb ist ein reiner Dämmstoffversuch mit Lambda-Bewertung für unsere Produkte nicht geeignet“, so Hennicke.

Der Versuch erwecke zudem den Eindruck, sämtliche energieunterstützenden Beschichtungen seien wirkungslos. Diese Verallgemeinerung hält Hennicke für fachlich problematisch: „Gerade weil wir keine Dämmwerte versprechen, trifft dieser Test unsere Systeme nicht.“

Während klassische Wärmedämmung über eine geringe Wärmeleitfähigkeit (Lambda-Wert) funktioniert, setzen sogenannte thermofunktionale Beschichtungen auf andere physikalische Wirkmechanismen:

  • Strahlungsmanagement durch reflektierende und diffusionsoffene Oberflächen
  • hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und Verdunstungskühle im Sommer
  • gleichmäßigere Temperaturverteilung an Innenoberflächen
  • Reduktion konvektiver Wärmeabfuhr bei Wind

Solarcolor verweist dabei auf spezielle Rezepturen mit mikroskopischen Glashohlkugeln, die das Gewicht der Beschichtung deutlich reduzieren und die bauphysikalische Dynamik beeinflussen.

„Unsere Farbe ist rund 30 Prozent leichter als konventionelle Fassadenfarben“, erläutert Hennicke. „Das Volumen bleibt erhalten, das Gewicht sinkt – dadurch entstehen hoch atmungsaktive Oberflächen. Ziel ist nicht das Einschließen von Wärme, sondern Funktion durch Konvektion, kapillare Effekte und solarthermische Prozesse.

Messbare Oberflächeneffekte statt Labor-Lambda

Nach Angaben des Unternehmens zeigen Vergleichsmessungen an Fassadenplatten, dass sich beschichtete Oberflächen bei Sonneneinstrahlung um mehrere Grad stärker erwärmen als konventionell gestrichene Flächen.

„Wenn die Fassade außen statt fünf Grad zehn Grad hat, sinkt der Temperaturgradient – und damit der Transmissionswärmeverlust“, erklärt Hennicke. „Das ist einfache Bauphysik: Je wärmer die Außenoberfläche, desto weniger Heizenergie muss von innen nachgeliefert werden.“

Auch im Sommer könnten durch Verdunstungseffekte kühlende Wirkungen auftreten, was den Einsatz von Klimaanlagen entlaste.

Unterstützung statt Ersatz von Dämmung

Gleichzeitig betont Solarcolor, dass die eigenen Produkte keine Alternative zu Wärmedämmverbundsystemen darstellen sollen.

„Wir sind nicht gegen Dämmung – im Gegenteil: Unsere Beschichtungen können bestehende Systeme unterstützen“, sagt Hennicke. „Was wir nicht tun, ist mit unrealistischen Lambda-Werten zu werben. Das war bei dem geprüften Produkt offenbar der Fall – und das kritisieren wir ebenso wie die Haltung der Verbände.“

Forderung nach differenzierter Betrachtung

Der Anbieter fordert daher, bei künftigen Untersuchungen klar zwischen klassischen Dämmstoffen und Oberflächensystemen mit anderen Wirkprinzipien zu unterscheiden.

„Innovationen müssen geprüft werden – das ist richtig“, stellt Hennicke klar. „Aber Prüfmethoden müssen zum Produkt passen. Eine Beschichtung, die über Feuchtehaushalt, Strahlung und Temperaturverteilung wirkt, lässt sich nicht über einen Dämmstoff-Lambda-Wert bewerten.“

www.solarcolor.shop

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