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Schwäche der Baubranche belastet den Mittelstand

Das Vertrauen der mittelständischen Führungskräfte in die Widerstandskraft ihrer Unternehmen schwindet spürbar. Dies zeigt die nach 2024 zum zweiten Mal durchgeführte repräsentative Studie „Fokus Mittelstand: R+V Resilienz-Report 2026“. Auch eine mögliche weitere Schwächung der deutschen Baubranche bewegt viele Firmen: Fast die Hälfte der befragten Führungskräfte und Beschäftigten sieht darin eine Gefahrenquelle.

Die vielfältigen Krisenherde und Unsicherheiten drücken auf die Stimmung im deutschen Mittelstand. Mittlerweile blicken 29 % der Führungskräfte mit Bangen in die Zukunft der eigenen Firma – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2024 (17 %). Bei den Beschäftigten hat sich die Stimmung im Vergleich zur ersten Befragung kaum verändert. 22 % machen sich Sorgen wegen der Resilienz ihres Arbeitgebers, 2024 waren es 20 %.

Spannend ist der Blick auf die gesamtwirtschaftliche Einschätzung. Der Studie zufolge halten 69 % der Führungskräfte und 72 % der Beschäftigten die deutsche Wirtschaft insgesamt für stark krisengefährdet. Auch wenn diese Sorge im Vergleich zu 2024 spürbar zurückgegangen ist, bewegt sie sich auf hohem Niveau. 

Mittelstand sorgt sich um weitere Schwächung der Baubranche

In der R+V Resilienz-Studie wurde auch untersucht, wie die Befragten aus den mittelständischen Unternehmen eine mögliche weitere Schwächung der deutschen Bauwirtschaft einschätzen. Fast die Hälfte der Führungskräfte (45 %) sieht in diesem Zukunftsszenario eine Gefahr für die eigene Firma. Besonders in Industriebetrieben sind die Sorgen bei diesem Thema hoch (52 %), während die Befürchtungen in Handelsunternehmen (44 %) und im Dienstleistungssektor (38 %) etwas kleiner sind. Die Beschäftigten teilen die Bedenken, wenn auch in etwas geringerem Maße (38 %). Am größten sind die Sorgen um die deutsche Bauwirtschaft bei den unter 45-jährigen (50 %).

„Den politischen Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Kommunen sollte bewusst sein, dass der deutsche Mittelstand auf eine leistungsfähige Bauwirtschaft angewiesen ist“, sagt Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung. „Unserer Studie zufolge sehen viele Führungskräfte und Beschäftigte darin eine wichtige Voraussetzung für die Resilienz des eigenen Unternehmens.“

Der Mittelstand schaltet verstärkt in den Krisenmodus

Es gibt auch gute Nachrichten: 2024 hatte nur ein gutes Fünftel der Führungskräfte (22 %) gesagt, dass ihr Unternehmen bereits vorbeugende Maßnahmen ergriffen hat. Dieses Bild hat sich deutlich geändert – mittlerweile sagt das jede dritte Führungskraft. „Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt ein Umsetzungsdefizit: Viele Firmen erkennen die eigene Gefährdung im Krisenfall, haben jedoch noch nicht in ausreichendem Maße gegengesteuert“, sagt Jens Hasselbächer. 

Ein Beispiel für dieses Umsetzungsdefizit: 87 % der Führungskräfte halten die Bindung von Mitarbeitenden für einen der wichtigsten Schlüssel zu mehr Resilienz. Damit rangiert das Thema sogar noch vor unternehmerischen Kernaufgaben wie der Produktentwicklung oder der Anpassung an einen verstärkten Preiswettbewerb (85 % bzw. 82 %). Doch der Studie zufolge sind nur 60 % der Firmenlenker bei der Mitarbeiterbindung bereits aktiv geworden. Diese Differenz zwischen der wahrgenommenen Gefährdung des eigenen Unternehmens und entsprechenden Handlungen lässt sich bei allen abgefragten Themenfeldern feststellen: Sie liegt im Durchschnitt bei zwölf Prozentpunkten. Die Beschäftigten sehen bei ihren Arbeitgebern sogar ein noch größeres Umsetzungsdefizit – mit einem Unterschied von 15 Prozentpunkten.

Digitalisierung und IT-Sicherheit sind zentrale Handlungsfelder

Das Themenfeld Digitalisierung und IT-Sicherheit ist ebenfalls weit oben auf der Agenda. Als besonders bedrohlich empfinden viele Führungskräfte die zunehmende Wirtschafts- und Cyberkriminalität. Darin sieht eine große Mehrheit ein wichtiges Handlungsfeld für die künftige Resilienz ihres Unternehmens (82 %). Die künstliche Intelligenz spielt auf den Chefetagen dagegen eine kleinere Rolle (65 %), ebenso wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz (59 %). 

Die Beschäftigten setzen ähnliche Schwerpunkte, sehen jedoch fast durchweg einen noch größeren Handlungsbedarf seitens ihres Arbeitgebers – mit einer interessanten Ausnahme: Sie halten die Bedeutung der KI für eine krisenfeste Zukunft für geringer als die Führungskräfte. „Das Thema KI ist für viele mittelständische Firmen zentral, um wettbewerbsfähig und effizient zu bleiben. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass hier noch ein deutlicher Handlungs- und Aufklärungsbedarf besteht“, so Hasselbächer.

Digitale Themen als größte Haftungsrisiken

Wo sehen die Führungskräfte für sich und ihre Firmen die größten Haftungsrisiken? Den Spitzenplatz belegen mögliche Verletzungen von IT-Sicherheitsvorschriften und Standards bei der Cybersicherheit (74 %). Fast jede dritte der befragten Führungskräfte hält dieses Haftungsrisiko sogar für „sehr wichtig“ (31 %). Große Haftungsrisiken sehen sie auch beim Datenschutz (72 %), bei Homeoffice-Regelungen und anderen arbeitsrechtlichen Fragen (68 %) sowie bei KI-Themen (64 %). 

Massiver Nachholbedarf beim Schutz vor Cyberrisiken

71 % der Führungskräfte sind überzeugt, dass sich ihr Unternehmen stark um die IT-Sicherheit kümmert. Doch nur ein knappes Drittel hat eine Versicherung gegen die möglichen finanziellen Folgen einer Cyberattacke abgeschlossen (32 %). Zudem hält die Mehrheit offenbar grundlegende Standards nicht ein: z. B. beim Umgang mit Administratorrechten, dem Ausmustern veralteter Hardware und der Analyse möglicher Einfallstore. „Dabei sehen wir in unserem Beratungsalltag, dass die Bedrohung durch Cyberkriminelle täglich zunimmt – auch weil die Digitalisierung voranschreitet und sich die künstliche Intelligenz weiterentwickelt“, sagt Ingo Steinwedel, Cyberexperte der R+V Versicherung.

Größere Offenheit für Hilfe von außen

Mittlerweile glauben 71 % der befragten Firmenlenker, dass ihr Unternehmen Unterstützung von außen braucht. Das sind deutlich mehr als noch vor zwei Jahren (58 %). Den größten Bedarf an externer Hilfe sehen sie bei der sicheren Nutzung der digitalen Möglichkeiten: Auf den Themenfeldern künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Cyberkriminalität und digitale Transformation möchten jeweils über 60 % auf Unterstützung von außen zurückgreifen. 

www.ruv.de

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