DER MALER: Herr Romanow, was waren Ihrer Meinung nach die ausschlaggebenden Faktoren, die Ihren Betrieb für die Auszeichnung mit dem Zukunftspreis qualifiziert haben?
Andreas Romanow: Es gab mehrere Gründe für die Auszeichnung. Ein wichtiger Faktor ist die Vielfältigkeit meiner Mitarbeiter. Im Frühjahr habe ich einen Malermeister im Alter von 64 Jahren eingestellt. In unserer Branche ist es ungewöhnlich, Menschen einzustellen, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Doch er bringt eine Fülle an Erfahrung mit, die besonders für unsere jüngeren Mitarbeiter von unschätzbarem Wert ist. Unser 17-jähriger Auszubildender kann von dem umfangreichen technischen Fachwissen enorm profitieren. Auf der anderen Seite profitieren die älteren Mitarbeiter vom digitalen Know-how der jüngeren Generation. Darüber hinaus habe ich Mitarbeiter unterschiedlicher ethnischer Herkunft, sie stammen zum Beispiel aus Afghanistan, dem Irak, Polen und natürlich auch aus Deutschland.
Ein weiterer wichtiger Grund für die Auszeichnung liegt in der ökologischen Ausrichtung unseres Betriebs. Im Verlauf der letzten zehn Jahre haben wir es geschafft, den Anteil von lösemittelhaltigen Produkten um 90 Prozent zu reduzieren. Das ist sowohl für die Umwelt als auch für unsere Mitarbeiter und Kunden von Vorteil. Zudem beziehen wir 95 Prozent unserer Produkte vom Fachhändler in der Region. Seit über zehn Jahren fahre ich außerdem ein Elektrofahrzeug und auch ein E-Nutzfahrzeug kommt bei uns zum Einsatz.
MALER: Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Ihren Handwerksbetrieb und wie hat sie sich positiv auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Romanow: Die Auszeichnung zeigt uns, dass wir gut für die Zukunft aufgestellt sind. Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir im Hinblick auf den Umgang mit unseren Ressourcen und den Mitarbeitern gute Arbeit leisten.
MALER: Gibt es zukunftsfähige Lösungen, die Sie in Ihrem Betrieb umzusetzen?
Romanow: In Bezug auf die Arbeitszeitgestaltung bietet der Betrieb seit kurzem die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche an. Meine Mitarbeiter haben die Freiheit, ihr Arbeitszeitmodell individuell zu gestalten. Dies bringt zwar eine gewisse Herausforderung in der Organisation des Büros mit sich, da keine zwei Mitarbeiter die gleiche Arbeitszeit haben, aber es ist von unschätzbarem Wert für die Work-Life-Balance meiner Mitarbeiter.
Wir haben uns das Ziel gesetzt, dieses Arbeitszeitmodell bis Weihnachten zu testen. Anschließend werden wir uns im neuen Jahr zusammensetzen, um gemeinsam zu besprechen, wie gut es sowohl für den Betrieb als auch für die Mitarbeiter funktioniert. Dabei werden wir die Erfahrungen und das Feedback der Mitarbeiter berücksichtigen, um mögliche Anpassungen vorzunehmen und sicherzustellen, dass das Arbeitszeitmodell optimal umgesetzt wird. Meine Devise bei aktuellen Trends lautet: Man muss nicht alles mitmachen, sondern lieber sinnvoll mit der Zeit gehen.
MALER: Nutzen Sie digitale Technologien, um effizientere Arbeitsprozesse und bessere Ergebnisse zu erzielen?
Romanow: Wir nutzen unter anderem für die Arbeitszeiterfassung das digitale Tool von WinWorker. Durch dieses können wir die Arbeitszeitverwaltung transparent und präzise verwalten. Ein weiterer Vorteil ist die minutengenaue Regieleistungserfassung beim Kunden. Durch die präzise Erfassung der Arbeitszeiten vor Ort können wir genau nachvollziehen, wie viel Zeit aufgewendet wurde. Das ermöglicht es uns, die erbrachte Leistung klar zu dokumentieren und dem Kunden somit detaillierte Abrechnungen zu erstellen. Allerdings kann es auch eine Herausforderung sein, wenn Mitarbeiter sich zum Beispiel zu früh – also nach 29 statt 30 Minuten – nach der Pause wieder einstempeln. Denn im Arbeitsrecht ist bei einer Arbeitszeit von über sechs Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten vorgeschrieben. Das bedeutet, dass 29 oder weniger Minuten keine volle Pause darstellen. Würde dann beispielsweise ein Arbeitsunfall passieren, könnte das auf zu kurze Pausen zurückgeführt werden und Probleme mit der Versicherung geben. Hier ist es wichtig seine Mitarbeiter zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, wie wichtig es ist, die vorgeschriebenen Pausenzeiten einzuhalten.
MALER: Können Sie uns ein konkretes Projekt oder eine Initiative nennen, bei der Ihr Handwerkerbetrieb eine herausragende Leistung erbracht hat?
Romanow: Die Renovierung unseres Firmengebäudes mit ihrer neuen Farbgebung zählt hier sicher dazu. Wir haben sehr viel Zuspruch von unserer Nachbarschaft bekommen. Die Herausforderung hier war, dass im Gewerbegebiet die Farben Weiß und Grau den Ton angeben. Als Malerbetrieb wollten wir jedoch nach außen hin zeigen, dass wir kreativ gestalten und dass unsere Räumlichkeiten mehr als nur ein gewöhnliches Bürogebäude sind. Maler sind die Gestalter, die der Stadt ihr Gesicht geben. Daher war es mir ein Anliegen, dass auch unser Firmengebäude diese Seite widerspiegelt.
MALER: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft des Handwerks und wie bereitet sich Ihr Betrieb darauf vor?
Romanow: Ich sehe, dass das Malerhandwerk sich in zwei Bereiche teilen wird. Der klassische Objektbereich wird für die wenigsten Betriebe noch die Haupteinnahmequelle sein. Oftmals werden solche Aufträge mittlerweile an Betriebe aus Osteuropa vergeben, da die Konditionen dort anders sind. Dies ist zumindest im Großraum München der Fall. Wenige regionale Betriebe können mit den Konditionen dieser ausländischen Betriebe konkurrieren. Infolgedessen rückt der Fokus stärker auf das Privatgeschäft und die Zusammenarbeit mit Hausverwaltungen. Diese Bereiche bieten oft mehr Potenzial und Stabilität.
Insbesondere Privatkunden sind wichtige Auftraggeber, da sie auch dann Aufträge vergeben, wenn andere Sektoren möglicherweise stillliegen. Dies hat sich insbesondere während der Corona-Pandemie gezeigt. Selbst kleinere Aufträge wie das Lackieren eines Heizkörpers können in solchen Zeiten von großer Bedeutung sein. Auch der Wunsch nach Leistungen aus einer Hand wird immer lauter. Die Möglichkeit, sämtliche Gewerke von einem einzigen Betrieb koordinieren und verwalten zu lassen, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Kunden möchten sich nicht mit der Organisation und Koordination verschiedener Fachbetriebe herumschlagen müssen. Unser Betrieb übernimmt die Verantwortung für sämtliche Gewerke, die im Rahmen einer Sanierung benötigt werden, wie Sanitärinstallationen, Elektrik, Estrich und Trockenbau und engagiert dafür die Fachbetriebe.
MALER: Was ist Ihnen bei der Mitarbeiterführung abschließend besonders wichtig?
Romanow: Mir ist wichtig, dass alle als Team funktionieren. Ich trete hier nicht als Vorgesetzter auf, der etwas bestimmt und dann wird es gemacht. Meine Mitarbeiter werden in Entscheidungsprozesse einbezogen. Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und anerkannt, wenn sie aktiv an der Gestaltung des Unternehmens und der Arbeitsabläufe beteiligt werden. Das führt zu motivierten Mitarbeitern. Mitarbeiter, die gerne in die Arbeit kommen, sind nachweislich weniger krank und erbringen auch bessere Leistungen.
MALER: Herr Romanow, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Kyra Kutter
(Bild: Verlag W. Sachon)

