Verband

Maler- und Lackierer-Innung Augsburg im Porträt

Mit 107 Mitgliedsbetrieben gehört die Innung Augsburg zu den größten in Bayern. Obermeister ist seit über 20 Jahren Stefan Ehle.

Die Wahlen der Vorstandschaft fanden im März im Rahmen der Hauptversammlung der Innung statt. Hier wurde mit drei neuen, jungen Vorstandmitgliedern, darunter der stellvertretende OM Tim Scheunemann, die „nächste Innungsgeneration“ gewählt. Darüber freut sich Ehle, der sich selbst scherzhaft als „Auslaufmodell“ bezeichnet.

Junge Menschen gesucht

„Es ist viel wert, wenn junge Handwerker innerhalb der Innung Verantwortung übernehmen wollen“, sagt er zur „Verjüngung“ der Vorstandschaft, denn mit diesem Ziel ist der Obermeister in jüngeren Jahren selbst in der Innung aktiv geworden: „Mein Vater – damals Obermeister – hat mir das ans Herz gelegt und mir noch mitgegeben: Schau, dass du andere junge Kollegen dazu animierst, ebenfalls in der Innung aktiv zu werden. Das habe ich damals geschafft.“

Selbstverständlich ist das heute allerdings nicht mehr. Wie für Betriebe, ist es auch für die Innungen schwierig, junge, engagierte Mitglieder zu gewinnen. Ehle betrachtet diese Entwicklung mit Sorge.

Der persönliche Kontakt im Fokus

Im Gegensatz zu vielen anderen Innungen, kann sich Augsburg aber über zu wenige Mitglieder nicht beklagen. Grund dafür sei laut Ehle, dass er stets den persönlichen Kontakt sucht. „Wenn in der Innung etwas ansteht, lege ich Wert darauf, die Betriebe direkt anzusprechen. Ich lasse das nicht über Umwege, wie zum Beispiel das Innungs-Sekretariat oder die Kreishandwerkerschaft, laufen.“

Gerade in den vergangenen Jahren, die von der Pandemie und mangelndem persönlichen Kontakt geprägt waren, war das eine Herzensangelegenheit für den OM. Und umso wichtiger war es auch, dass die Hauptversammlung der Innung in diesem Jahr in Präsenz stattfinden konnte. „So wie die Spaltung aufgrund der Corona-Maßnahmen in unserer Gesellschaft zu sehen ist, war sie auch in unserer Innung zu spüren. Doch all unsere Mitgliedsbetriebe – ob nun Befürworter oder Gegner der Einschränkungen – sehnten sich nach dem persönlichen Kontakt.“

Mindestens zweimal im Jahr sendet Ehle Mitteilungen direkt an die Betriebe. Auch wenn er selbst in seinem eigenen Betrieb eingespannt ist. Auch ist er immer zur Stelle, wenn seine Unterstützung gefragt ist. Meist ist das bei technischen Belangen der Fall. Das kann eine Reklamation eines Kunden sein, z. B. Algenbewuchs an einer Fassade. In Zusammenarbeit mit dem Landesinnungsverband des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks, der über einen juristischen und einen technischen Berater verfügt, können solche Probleme meist schnell gelöst werden. Weiter gehören zur Innungsarbeit das Ausrichten der Gesellenprüfung und administrative Arbeiten.

Malerhandwerk im Wandel?

Betrachtet man das Malerhandwerk heute, kommt sofort der Begriff Fachkräftemangel auf. „In unserer Branche findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Vor ein paar Jahren haben wir Aufträge akquiriert. Heute akquirieren wir Mitarbeiter“, so Ehle.

Der Obermeister spürt auch in seinem eigenen Betrieb, dass der Wettbewerb um Fachkräfte stetig steigt. Auch werden bestehende Mitarbeiter älter, jüngere rücken aber nicht nach. Auszubildende zu finden ist schwierig und Ehle berichtet aus Erfahrung: „Wir bilden in drei Berufen aus, zwei unserer Ausbildungsberufe sind im technischen Bereich: Fahrzeuglackierer sowie Maler und Lackierer mit der Fachrichtung Gestaltung. Im Normalfall konnten wir zwei Lehrlinge pro Ausbildungsberuf und -jahr gewinnen. Im kommenden Jahr werde ich nur einen Maler ausbilden.“

Zwar gingen im Betrieb ausreichend Bewerbungen ein, doch einerseits sind es die Auszubildenden, die sich den Ausbilder aussuchen und andererseits eignen sich auch einige Kandidaten nicht für den Beruf eines Malers, Lackierers oder Fahrzeuglackierers. Diese dann dennoch einzustellen führe laut Ehle nur dazu, dass es in der Branche zu noch mehr Ausbildungs-Abbrüchen kommen wird.

Zeichen der Zeit

Verantwortlich für die Lage im Handwerk macht Ehle unter anderem die gesellschaftliche Entwicklung. „Viele Eltern – vor allem die, die Akademiker sind – lenken ihre Kinder zum Abitur und anschließenden Studium. Selbst wenn diese vielleicht lieber ins Handwerk gehen würden oder deren Begabungen sogar eher in diesem Bereich liegen.“

Auch wurde seiner Ansicht nach vom Bundesverband, den Landesverbänden und auch den Innungen zu wenig für die Nachwuchsgewinnung getan. Zwar läuft momentan eine große Imagekampagne, für ihn kommt diese aber reichlich spät. Ob sich das Blatt noch wenden kann? Ehle als „grenzenloser Optimist“ glaubt einerseits daran, andererseits habe das Image des Maler- und Lackierers jahrelang gelitten. „Wir können durch das Ansehen unseres Berufs durch ordentliche Nachwuchswerbung wieder steigern. Es ist jedoch ein langer Weg“, sagt er.

Um das Blatt zu wenden tauscht sich Ehle rege mit anderen Innungen sowie der Kreishandwerkerschaft aus. Besonders hebt er auch das Engagement von Dominik Haneberg, stellvertretender OM der Innung Oberallgäu (siehe MALER 8) hervor, der junge Menschen durch zahlreiche Besuche an Schulen für das Maler- und Lackiererhandwerk begeistert.

Nachwuchskampagnen für Schüler zeigen Wirkung. Dies zeigen auch die rund 200 bis 250 Besucher der "Karriere im Handwerk"-Veranstaltungen der Kreishandwerkerschaft Augsburg gemeinsam mit der Handwerkskammer Schwaben. Auch die Innung Augsburg stellt den Schülern in diesem Rahmen den Maler- und Lackiererberuf vor. Dabei fährt Ehle ein ganzes Geschütz aus: „Wir gehen mit Präsentationen, Imagefilmen, Informationsmappen, Roll-ups und weiterem Material in die Klassen, um unseren Beruf zu präsentieren. Wir legen auch unseren Mitgliedsbetrieben ans Herz, sich mit diesem Material auszustatten und die Schulen zu besuchen“, sagt der OM. „Wir stellen ein regelrechtes „Basispaket“ zur Lehrlingswerbung zur Verfügung.“ Die Nachfrage der Betriebe ist aber gering. Meist beteiligen sich nur die, die sowieso schon engagiert sind.

„Viele Betriebe sitzen lethargisch wie ein Kaninchen vor der Schlange und tun nichts. Einerseits, weil sie nicht offen genug sind und sich nicht trauen. In vielen Fällen sind sie aber so mit ihrer Arbeit eingespannt und dann kommen noch politische Vorgaben und Pflichten – zum Beispiel zahlreiche Gefährdungsbeurteilungen, Statistiken, etc. hinzu, dass für Nachwuchswerbung nicht auch noch Zeit ist. Hier sind die Verbände stärker in der Pflicht, um für Entlastung zu sorgen.“

Denn um das Image des Maler- und Lackiererhandwerks in der Gesellschaft in das richtige Licht zu rücken, müssen Verbände, Innungen und auch die Betriebe in Bewegung kommen.

www.farbe-schwaben.de/innungen/augsburg

Bild: Kyra Kutter traf Stefan Ehle, OM der Maler- und Lackierer-Innung Augsburg, zum Gespräch.
Quelle: Verlag W. Sachon

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