Verband

Maler- und Lackiererinnung Berlin im Portrait

Seit mehr als 175 Jahren vertritt die Maler- und Lackiererinnung Berlin die Interessen ihrer Mitglieder.

Seit sechs Jahren ist Paschedag Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Berlin (zudem ist er auch Geschäftsführer des Landesinnungsverbands Berlin-Brandenburg). Was er in dieser Zeit feststellen konnte: „Große Betriebe sind in den letzten Jahren noch größer geworden, während die Kleinen versuchen, ihre Nische zu finden oder sich irgendwo anzuschließen.“ 

Digitalisierung als Chance

Laut des Geschäftsführers ist die Digitalisierung zum Teil dafür verantwortlich, da einige Betriebe sagen „lass mich mit diesem Thema bloß in Ruhe“. Dabei bietet sie einige Chancen für Betriebe, denn dank ihr können unter anderem Prozesse vereinfacht werden. „Digitale Möglichkeiten können den Firmen ihre Arbeit erleichtern. Und sei es nur eine App, die z.B. Fahrtstrecken aufzeichnet“, sagt Paschedag. 

Digitalisierung bedeutet nicht, dass Roboter den Maler- und Lackiererbetrieben die Arbeit wegnehmen. Vielmehr ist sie – richtig eingesetzt – ein praktisches Werkzeug, um im Berufsalltag Zeit zu sparen. Ein gutes Beispiel ist Software für die Buchhaltung oder auch die Verwaltung von Kundendaten, Terminen und Aufträgen. 

Ausbildung im Fokus

Die Ausbildung ist in allen Innungen mit eines der wichtigsten Themen. So auch in Berlin. Diese bildet Lehrlinge in vier Lehrwerkstätten überbetrieblich und in Eigenregie aus. Dort werden auch die Prüfungen abgenommen und es finden unter anderem Seminare und Prüfungsvorbereitungen statt. 
Vor drei Jahren hat die Innung zudem ihren Förderkreis, der 2014 gegründet wurde, in den Vorjahren aber laut Paschedag „ein Dornröschen-Dasein“ geführt hat, neu aufgestellt. Dort finden sich Unternehmen aus Handel und Industrie, Malerbetriebe und Privatpersonen zusammen. Der Förderkreis beteiligt sich an der Nachwuchs-Kampagne #werde Maler, die vom Maler- und Lackiererinnungsverband Westfalen ins Leben gerufen wurde. Und die Arbeit der Innung im Bereich Ausbildung zeigt Wirkung: „Maler und Lackierer gehört in Berlin zu den Top 5 der Ausbildungsberufe“, sagt Paschedag. 

Was läuft anders in der Hauptstadt?

In zahlreichen Regionen in Deutschland klagen Innungen und Betriebe über einen Mangel an Auszubildenden. In Berlin kommt das jedoch eher selten vor. Doch woran liegt das? „In Brandenburg und auch anderen Bundesländern ist die Zentralisierung der Schulen ein großes Problem. Die Auszubildenden müssen dort teilweise immense Wege in Kauf nehmen, um einmal in der Woche zur Schule zu gehen“, erklärt Paschedag. 

Auf Ausbildungsmessen erlebt er es häufig, dass Interessierte nicht nach der Vergütung fragen, sondern danach, wie weit die Schule vom Betrieb entfernt ist. „Oft ist die Entfernung einfach zu groß. Dann ziehen die jungen Menschen weiter zum nächsten Stand, um sich über andere Berufe schlau zu machen.“ In Berlin ist das anders. Dort sind die Wege kürzer – egal ob die Auszubildenden zur Baustelle oder zur Schule fahren müssen. 

Auch der Corona-Lockdown habe dem Handwerk laut Paschedag in die Hände gespielt. Während Hotels, Restaurants, Friseure und andere Einrichtungen geschlossen waren, sind die Malerfahrzeuge weiter auf den Straßen gefahren. „Dadurch haben – zumindest in Berlin – viele Menschen gemerkt, dass das Handwerk gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf“, sagt der Geschäftsführer der Berliner Malerinnung. 

Anreize schaffen, um das Handwerk attraktiver zu machen

Obwohl die Lage an Auszubildenden in Berlin stabil ist, gibt es auch dort Betriebe, die gerne auch ein oder zwei mehr Lehrlinge beschäftigen würden. Um das zu erreichen sollten die Firmen sich dem Wettbewerb in Bezug auf die Vergütung stellen. Denn viele Fachkräfte werden z. B. von der Industrie oder Wohnbaugesellschaften mit höheren Löhnen abgeworben. 
Auch im Hinblick auf Flexibilität gibt es im Maler- und Lackiererhandwerk Luft nach oben. „Die starren Arbeitszeiten – fünf Tage die Woche von 7 bis 16:00 Uhr –, die in Handwerksbetrieben herrschen, schrecken viele junge aber vermehrt auch ältere Arbeitnehmer eher ab. Hier mehr Flexibilität anzubieten könnte helfen, mehr Menschen für den Beruf zu gewinnen“, so Paschedag. Flexible Arbeitszeiten sind gerade bei der Generation Z ein großes Thema. Diese einzuführen kann aber nicht nur dabei helfen, Fachkräfte für seinen Betrieb zu begeistern, sondern auch das Betriebsklima im bestehenden Team zu verbessern. 

Zusammenhalt zählt in Krisenzeiten umso mehr

Neben dem Dauerthema Fachkräftemangel und Mangel an Auszubildenden beschäftigen auch bürokratische Vorgaben die Betriebe. Ein Beispiel ist hier die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Unternehmen. Diese ist seit dem 1. Januar 2023 für Arbeitgeber verpflichtend. Zwar soll sie eigentlich für Entlastung in Unternehmen sorgen, doch viele wissen nicht, wie sie in der Praxis damit umgehen sollen. Die Innung versucht in solchen Fällen ihre Mitgliedsbetriebe frühzeitig zu informieren. Im Zweifel bietet sie auch Schulungen an oder verweist auf externe Schulungen. 

Weiter stellen auch steigende Materialkosten, die mit der momentanen Energiekrise einhergehen, viele Betriebe vor Herausforderungen. Einige geben die Preise noch nicht in dem Umfang an ihre Kunden weiter, der eigentlich nötig wäre. Paschedag befürchtet, dass einzelne Betriebe, die Krise nicht überstehen werden. „Momentan macht sich jeder Gedanken über die steigenden Preise. Gerade Privatkunden überlegen zweimal, ob in ihrer Wohnung eine Renovierung durch einen Handwerker wirklich notwendig ist“, sagt er. „Betriebe, die stark auf den privaten Bereich spezialisiert sind, könnten deshalb Schwierigkeiten bekommen.“ 

Das Netzwerk innerhalb der Innung kann hier Unterstützung leisten. So können sich Betriebe Rat bei den anderen Mitgliedsbetrieben einholen und deren erfolgreich umgesetzte Maßnahmen übernehmen. 

Und gerade, wenn Betriebe Unterstützung benötigen, zahlt sich die Mitgliedschaft in der Innung aus. Dies zeigen zwei Beispiele, von denen Paschedag erzählt: „Während der Corona-Pandemie haben zwei Betriebe akute Schwierigkeiten gehabt und sich an die Innung gewandt. Wir haben ihnen dann mehrere Aufträge bei uns im Hause erteilt.“ Dadurch zeigt sich, dass der Austausch untereinander gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je ist. 

www.malerinnung-berlin.de

Autorin: Kyra Kutter

Bild: Das Innungshaus der Innung Berlin.
Quelle: Maler- und Lackiererinnung Berlin

Weitere Beiträge