Foto: Ruhr Forum Handwerk

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Marode Verkehrsinfrastruktur bremst das Handwerk im Ruhrgebiet: Mehr Priorisierung und Koordinierung bei Sanierungen gefordert

Die marode Verkehrsinfrastruktur ist speziell im Ruhrgebiet ein Wachstumshemmnis erster Ordnung – für die gesamte Wirtschaft und nicht zuletzt für das Handwerk. Die besondere logistische Situation der Betriebe, Beschäftigten und Kunden des größten mittelständischen Wirtschaftssektors sowie die daraus abzuleitenden verkehrspolitischen Erfordernisse standen am Donnerstag im Mittelpunkt einer Konferenz in Mülheim an der Ruhr. Zusammengekommen waren Handwerksorganisationen mit regionaler Zuständigkeit, Unternehmenspraktiker und Vertreter der Landespolitik.

Unter dem Titel „Mit besserer Verkehrsinfrastruktur zu mehr Wettbewerbsfähigkeit im Ruhrgebiet“ stand das Ruhr Forum Handwerk 2026. „Jede Stunde im Stau bedeutet Stillstand im Betrieb. Mobilität ist im Handwerk ein Faktor der Produktionskette wie in kaum einem anderen Sektor“, brachte Handwerkspräsident Andreas Ehlert die Problemlage in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt. Eingeladen hatten die im Verbund „Handwerk Region Ruhr“ zusammengeschlossenen Handwerkskammern Düsseldorf (als gastgebender Ausrichter), Dortmund und Münster. Mehr als 100 Teilnehmende füllten die Stadthalle.

Handwerksbetriebe sind auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen: Sie fahren zu Kunden und Baustellen, transportieren Werkzeug und Material oder beliefern ihre Filialen. „Marode Brücken, Staus, Umleitungen und fehlende Parkmöglichkeiten kosten das Handwerk im Ruhrgebiet wertvolle Arbeitszeit. Was nach 20 Minuten Stau klingt, summiert sich bei 15 Fahrzeugen schnell auf 1.250 verlorene Arbeitsstunden im Jahr“, so Ehlert. „Für die rund 46.000 Handwerksbetriebe mit 300.000 Beschäftigten in der Region ist eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur deshalb einer der zentralsten Standortfaktoren.“ Das „Sondervermögen Infrastruktur“ biete jetzt die „große Chance“, Straßen, Brücken und Schienen zielgerichtet zu modernisieren. Ehlert: „Entscheidend ist, das Verkehrsnetz im Ruhrgebiet wie ineinandergreifende Zahnräder eines Uhrwerks als ein Ganzes zu begreifen und so schnell wie möglich zu überholen.“

Dazu müssten anstehende Bauprojekte „plausibel priorisiert, bis in berechenbare Umwegverkehre hinein gut koordiniert und digital beschleunigt“ werden, mahnte der Kammerpräsident. „Kundentermine müssen planbar sein. Staus, Umleitungen und marode Straßen erschweren es den Betrieben massiv, Aufträge wirtschaftlich und zuverlässig abzuwickeln. Die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft muss die konkreten Wege und Abläufe des Handwerks mitdenken“, ergänzte Kerstin Feix, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Dortmund. Zuvor hatte Jens Peter Richard, Obermeister der Dachdecker- und Zimmerer-Innung Mülheim-Oberhausen, anschaulich gemacht, wie sehr die Situation Umsätze und Erlöse der Betriebe bremst.

Oliver Krischer, NRW-Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, ordnete in einem Impulsvortrag den Handlungsbedarf aus Sicht der Landesregierung ein und informierte über Ziele und Umsetzungsstand der baulichen und administrativen Maßnahmen, mit denen das Land den Verkehrsfluss auf Straßen, Trassen und Wasserstraßen normalisieren will: „Wir müssen unsere Verkehrsinfrastruktur schneller fit für die Zukunft machen. Deshalb sanieren wir in den kommenden Jahren 400 Brücken in unserer Zuständigkeit und beschleunigen Baustellen durch neue Modulbauweisen und funktionale Ausschreibungen. Auch das neue Straßen- und Wegegesetz reduziert Planungszeiten, und Bauzeiten werden für unseren Landesbetrieb zunehmend zum Wettbewerbskriterium. So machen wir aus Sanierungsstau ein neues Sanierungstempo. Das bedeutet zunächst mehr Baustellen und damit Einschränkungen, aber nur so können wir vor die Lage kommen.“

Der Mülheimer Beigeordnete Felix Blasch verwies auf die Häufung gleichzeitiger Autobahneinschränkungen, Baumaßnahmen und Sperrungen rund um Mülheim, die Bahn eingeschlossen. Es fehle an einer Vorhabenplanung, die die föderalen Verantwortungsebenen übergreift, Unverträglichkeiten prüft und eng abgestimmt ist. „Mülheim ist von massiven Behinderungen auf mindestens 10 Jahre betroffen. Wir haben jetzt alle Beteiligten an einen Tisch bekommen – und hoffen, lösungsorientiert im Gespräch zu bleiben.“ Auf die zunehmend häufigen Verzögerungen insbesondere im Busverkehr machte Ingo Wortmann aufmerksam, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und Geschäftsführer der Stadtwerke Oberhausen GmbH.

Willi Kolks, Direktor der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes, stellte klar, dass das Ballungszentrum Ruhrgebiet eine besondere Herausforderung sei: „Hier kreuzt der Transitverkehr von Nord nach Süd, von Ost nach West, vor allem auch der Lkw-Verkehr. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir mit klugem Baustellenmanagement und innovativer Technik für flüssigen Verkehr sorgen. Taktgeber für unsere Anstrengungen sind die Brücken, die wir erhalten und vielfach neu bauen müssen, damit sie auch in Zukunft dem Verkehr gewachsen sind.“

Als „notwendigen Dringlichkeitsimpuls des Handwerks als maßgeblichem Träger des Strukturwandels im Ruhrgebiet“ fassten HWK-Präsident Berthold Schröder (Dortmund) und Josef Trendelkamp, Vizepräsident der HWK Münster, die Analysen und Wortbeiträge des Forums zusammen. Moderiert wurde die Podiumsveranstaltung von WDR-Moderator Tobi Strauß.

Zum Handwerk in der Region Ruhr gehören 46.664 Betriebe mit 324.246 Erwerbstätigen und 18.808 Auszubildenden. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr 38,0 Milliarden Euro Umsatz. Die Handwerksorganisationen in der Region – die Handwerkskammern Dortmund, Düsseldorf und Münster sowie neun Kreishandwerkerschaften – wirken in der Arbeitsgemeinschaft „Handwerk Region Ruhr“ für die Stärkung mittelständischer Strukturen und der beruflichen Bildung zusammen. Sie veranstalteten das Ruhr Forum jetzt zum siebten Mal. Gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) erarbeiteten sie 2025 den Masterplan „Mittelstand und Handwerk“.

Weitere Informationen unter: www.handwerk-region-ruhr.de/de

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