„Wir sind also nachweislich in der Lage, richtig zu buchstabieren“, sagt Gründer David Mottershead im Interview scherzhaft, als er auf den Firmennamen angesprochen wird.
Am Ufer des Weilers befand sich eine Firma namens Little Greene Dye Works. Der Eigentümer Joshua Rowlands war zuständig für die Lieferung von Pigmenten und Farbstoffen an lokale Webereien. Mottershead hat das Geschäft von Rowlands, Farben zu formulieren, und die Philosophie, dies ohne Kompromisse zu tun, nahtlos übernommen. Im Gespräch mit dem Firmengründer haben wir mehr über die Ideen und Ziele von Little Greene erfahren.
DER MALER: Die heutige Little Greene Paint Company wurde ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts gegründet. Was war Ihr damaliges Ziel?
David Mottershead: Ich habe das Unternehmen mit dem Ziel gegründet, hochwertige Farben herzustellen. Sie kosten vielleicht mehr als Standard-Farben, leisten aber bessere Arbeit. Begonnen hat alles mit vier Freunden, die in der Farbenindustrie gearbeitet haben, und mir. Wir hatten einen Zehn-Jahresplan: Das Unternehmen zu kaufen, dann nach zehn Jahren wieder zu verkaufen und in den Ruhestand zu gehen. Tatsächlich hatten wir nach etwa acht Jahren ein Angebot eines Käufers, das aber unverschämt niedrig war. Deshalb habe ich beschlossen, die Firma auf dem Markt zum Verkauf anzubieten. Das habe ich an Weihnachten vor etwa elf Jahren meiner Familie verkündet.
MALER: Aber es kam anders…
Mottershead: Meine Tochter Ruth, die heute Marketing und Design im Unternehmen verantwortet, hat ihre Hand in die Luft gestreckt und gesagt, dass wir das nicht tun können. Sie meinte: Das ist unsere Firma. Diese Aussage hat mich überrascht, da sie damals in London als Architektin gearbeitet hat. Am nächsten Tag hat sie ihre Arbeit gekündigt, um für unsere Firma zu arbeiten. Auch mein Sohn Ben, der als Tierarzt – ebenfalls in London – arbeitete, hat dann beschlossen, in die Firma kommen zu wollen. Es würde nur etwas länger dauern. Heute ist er für Logistik und Technologie verantwortlich. Die Entscheidung, die Firma zu behalten, war damit gefallen.
MALER: Neben dem Hauptsitz in Manchester haben Sie noch eine Fabrik in den Ausläufern des Mount Snowdon in Nordwales. Wie kam es dazu?
Mottershead: Es ist in Großbritannien – wie in Deutschland auch – nicht so einfach, eine chemische Fabrik zu gründen. Es gibt einige Regularien, die erfüllt sein müssen und außerdem benötigt man die Rechte, chemische Erzeugnisse herzustellen. Für die Fabrik in Nordwales lagen diese Rechte bereits vor.
MALER: Mit der Produktion von Farben hat alles angefangen und dann kamen Tapeten hinzu. Was hat Sie zu der Entscheidung, auch Tapeten herzustellen, bewogen?
Mottershead: Wir wollten stärker ausdrücken, wie wir Farbe und ihre Anwendungsmöglichkeiten verstehen. Damit Kunden sehen können, dass wir Farbe wirklich verstehen. Und zwar indem wir sie auf Papier bringen. Wir sind nicht einfach nur ein industrieller Farbenhersteller, der Farbe auf Farbkarten druckt, es ist mehr als das.
MALER: Was bedeutet denn Farbe für Sie?
Mottershead: Unsere Überzeugung ist, dass Farbe eine wirtschaftliche Art sein sollte, einen Raum vollständig zu verändern: Einem Raum mit demselben Teppich, denselben Vorhängen und Möbeln aber einer neuen Wandfarbe einen neuen Charakter zu geben. Das spielt gerade in der heutigen Zeit, in der viele sich über die Lebenserhaltungskosten Sorgen machen, eine große Rolle.
MALER: Und auch Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle bei Little Greene…wie werden Ihre Produkte nachhaltig?
Mottershead: Wir forschen stetig daran, die eine nachhaltige Technologie zu finden, mit der wir unsere Farben herstellen. Das passiert nicht in nur einem Schritt und es gibt auch keine Zauberformel. Wir können nicht behaupten, dass alles natürlichen Ursprungs ist und wir kein Teil der chemischen Industrie sind. Um Farben herzustellen, werden Chemikalien der Industrie genutzt. Das ist nicht vermeidbar, aber wir arbeiten daran. Wir sind auf dem Weg zu Nachhaltigkeit. Wenn die Sache Schritt für Schritt angegangen wird, werden wir das Ziel erreichen.
MALER: Und einer dieser Schritte ist Ihre Farbkollektion „Re:mix“, die Sie Anfang letzten Jahres gelauncht haben.
Mottershead: Re:mix ist unsere Botschaft an uns selbst, die Konsumenten und auch die Farbenindustrie, dass Dinge auch anders funktionieren können. Vorher wurden Farbreste zur Verbrennung gebracht oder im Boden entsorgt. Für uns ist das aus zwei Gründen nicht akzeptabel: Erstens kennen wir die für die Umwelt entstehenden Konsequenzen nicht und zweitens gibt es auf der Welt bereits so viel Umweltverschmutzung, dazu wollen wir nicht zusätzlich noch beitragen. Deshalb haben wir eine Methode formuliert, mit der wir Farbreste, die an uns zurückgesendet werden, neu zusammensetzen. Entstanden sind daraus zwanzig matte Farben für Innenwände und -decken. Mit Re:mix können wir 60.000 Liter an Rohmaterialien einsparen.
MALER: Wie entstehen die „Re:mix“-Farben?
Mottershead: Nachdem Kunden verschiedene Eimer mit Farbresten an uns zurücksenden, kommt ein Computer-Algorithmus zum Einsatz. Dieser berechnet z.B. aus 16 verschiedenen Blautönen einen neuen Ton. Somit können wir die gleichen Farben aus unserer Kollektion auch als Re:mix anbieten.
MALER: Ein Markenzeichen von Little Greene ist auch die moderne Interpretation historischer Designs. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Mottershead: Es gibt z.B. in der englischen Geschichte Perioden, in denen sehr dunkle Farben eine Rolle spielten, die aber heute nicht mehr passen. Hier kommen wir ins Spiel, indem wir diese Farben so kreieren, dass sie besser zum modernen Wohnen passen. In UK sind mehr als die Hälfte aller Häuser über 100 Jahre alt. Viele der Menschen, die in älteren Häusern leben, wünschen sich einen Bezug zu der Zeit, in der das Haus gebaut wurde. Wir helfen dabei, diesen Bezug herzustellen – auch bei anderen historischen Gebäuden. Arbeiten haben wir z.B. am Buckingham Palace und Windsor Castle vorgenommen. Uns um die historischen Gebäude zu kümmern – und die Kooperation mit dem National Trust in dem Zuge – ist uns sehr wichtig.
MALER: Herr Mottershead, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Kyra Kutter
Bild: Little Greene-Gründer David Mottershead mit seinen Kindern Ruth und Ben Mottershead.
Quelle: Little Greene

