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Porträt der Maler und Lackierer Innung München Stadt und Land

Eine besondere Herzensangelegenheit der Maler und Lackierer Innung München Stadt und Land ist die Nachwuchsförderung.

Der „Ausbildungsauftrag“ ist einer der wichtigsten Teile der Innungsarbeit. „Durch diesen Auftrag stehen wir dem Handwerk sehr nahe. Denn wir begleiten die jungen Maler schon in den Anfängen ihres Berufslebens“, sagt Andreas Romanow. Er ist seit September 2021 Obermeister der Innung München.

Im eigenen Bildungszentrum für Farbtechnik und Raumgestaltung bildet die Innung rund 600 junge Menschen jährlich in den Berufen Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller überbetrieblich aus und nimmt zudem die Gesellenprüfungen ab. Auch werden u.a. Sachkundeprüfungen, Workshops zur Arbeitssicherheit und Prüfungsvorbereitungskurse angeboten.

Die Auszubildenden haben zudem die Möglichkeit, im innungseigenen Internat oder den Riem-Apartments, die sich ebenfalls im Besitz der Innung befinden, unterzukommen. „In einer Stadt wie München ist die Wohnungsnot ein großes Problem. Dieser können wir mit unseren Unterbringungsmöglichkeiten begegnen“, so der Obermeister. Die Apartments stehen zudem Teilnehmern der handwerklichen Weiterbildungsprogramme zur Verfügung.

Ein großer Fokus bei der Ausbildungsarbeit liegt auch auf der Meisterschule. „Damit es für die vielen Babyboomer, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, Nachfolger gibt, müssen genügend junge Menschen zum Meister ausgebildet werden“, sagt Romanow.

„Handwerk beginnt im Kopf“

Und wie erreicht man die jungen Menschen? Über die digitale Welt! Aus diesem Grund hat die Innung München vor rund zwei Jahren ihren eigenen Instagram-Kanal gestartet. Unter # handwerkbeginntimkopf posten die Auszubildenden des Bildungszentrums, unterstützt von dessen Leiterin Christina Breunig, regelmäßig aus ihrem vielseitigen und kreativen Lern-Alltag.

Ziel ist es, das Handwerk so authentisch wie möglich zu zeigen, um junge Menschen von der Ausbildung zum Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer oder Schilder- und Lichtreklamehersteller zu überzeugen.

Förderung der begabtesten Lehrlinge

Ein Highlight in Sachen Ausbildung ist der jährlich stattfindende Leistungskurs. Diesen veranstaltet die Innung für die besten Maler-Lehrlinge im 3. Lehrjahr. Ins Leben gerufen wurde der Kurs 1982 von Jochen Mariel, Gründer des Bildungszentrums sowie Ehrenmeister der Innung München. Er war damals der Ansicht, dass nicht nur die schwächeren Lehrlinge gefördert werden sollten, sondern auch die besonders Begabten. Bis heute legt die Innung darauf sehr viel Wert.

Von Ende November bis Anfang März des Folgejahres lernen die Teilnehmer des Leistungskurses zahlreiche Malertechniken, die im Berufsalltag eher selten ausgeführt werden. Dazu gehören u.a. historische Techniken wie Marmorierung, Sandsteinimitation, Graumalerei und Vergoldung aber auch moderne Arbeiten, z. B. das Erstellen von Designs am Computer. Im Rahmen des Kurses wird von den jungen Malern viel Fingerspitzengefühl, Konzentration und Kreativität erwartet. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Vernissage in den Räumlichkeiten der Innung anschließend feierlich präsentiert.

Neben Ausbildung und Nachwuchsförderung gehören natürlich auch Information und Beratung zur Innungsarbeit. Die Mitgliedsbetriebe erhalten beispielsweise Unterstützung bei rechtlichen Fragen, Auskünfte zu Tarifen sowie zur Betriebsführung. Für Streitigkeiten mit Lehrlingen unterhält die Innung einen eigenen Ausschuss, der erstinstanzliche Urteile fällt.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Möglichkeiten in der Lobbyarbeit, die ein Handwerksverband ausschöpfen kann. Die Innungen in München sind durch alle Gewerke hinweg respektierte Interessenvertreter. „So konnten wir darauf hinwirken, dass die Landeshauptstadt in ihrer Verkehrspolitik das Handwerk berücksichtigt, es in die entsprechenden Planungsprozesse einbindet und eine überhöhte Gebühr für Handwerker-Parkausweise wieder deutlich ermäßigt hat“, erläutert Geschäftsführer Dr. Jürgen Weber.

Netzwerken innerhalb der Innung 

Bei einer Innung mit der Größenordnung wie in München, ist die Kommunikation untereinander eine Herausforderung. Netzwerken in WhatsApp-Gruppen ist hier keine Option. Um dies zu lösen, haben die Mitgliedsbetriebe verschiedene (Arbeits)kreise gebildet. Dort finden sich Mitglieder mit gemeinsamen Interessen zusammen, um „über den Tellerrand zu blicken“, so Romanow.

Eine dieser Gruppen ist der „Meisterkreis“, den Romanow und zwei Mitstreiter vor vielen Jahren gegründet haben. Dort treffen sich Mitgliedsbetriebe – einer sogar aus Augsburg und einer aus Freising – seit rund zehn Jahren monatlich zum fachlichen und technischen Austausch, wenn es z. B. Probleme mit Mitarbeitern gibt. „Der Austausch innerhalb des Meisterkreises ist immens wichtig. Es werden Erfahrungen weitergegeben und gesammelt“, betont Romanow.

Der Vorteil einer solchen Gemeinschaft liegt klar auf der Hand: Wenn ein Betrieb etwas braucht – es fehlt z. B. ein Werkzeug auf der Baustelle – genügt eine kurze Nachricht und innerhalb weniger Minuten ist die nötige Unterstützung unterwegs. „In irgendeiner Form hat jeder Mitgliedsbetrieb schon für einen anderen Betrieb gearbeitet“, sagt Romanow. Jürgen Weber fügt hinzu: „Sich aufeinander verlassen können – das ist es auch, worum es bei der Mitgliedschaft in der Innung geht, nicht nur um nackte Informationen oder finanzielle Vorteile.“

Arbeitskreis Wirtschaftsarchiv 

Die Innung München ist auch Mitglied im Förderkreis des Bayerischen Wirtschaftsarchivs. Gegründet wurde es 1994 als Gemeinschaftseinrichtung aller bayerischen Industrie- und Handelskammern. Es betreut Archivbestände von Unternehmen, die es entweder gar nicht mehr gibt, oder die ihr Archiv in andere kompetente Hände geben wollen. Das Archiv ist damit auch ein Spiegel bayerischer Wirtschaftsgeschichte und des damit verbundenen kulturellen Erbes. Unter der Federführung der Geschäftsführerin Frau Dr. Moser treffen sich einmal jährlich die Archivare größerer bayerischer Unternehmen zu einer Tagung und tauschen sich auch ansonsten partnerschaftlich aus. „Die Innung ist schon ein wenig stolz darauf, zu diesem erlauchten Kreis zu gehören, verfügt sie doch auch über ein eigenes Archiv, das ehrenamtlich gepflegt wird“, hebt Weber hervor. „Im letzten Sommer waren wir sogar selbst Gastgeber der Tagung und haben mit Vorträgen, Archivschätzen und geführten Ausstellungen die Archivare für das Malerhandwerk wirklich begeistert. Auch das ist Öffentlichkeitsarbeit, denn wir stellen immer wieder fest, wie wenig der Laie über die Fülle und Schönheit unseres Gewerks weiß.“

Das Netzwerk und die Gemeinschaft innerhalb der Innung bieten Unternehmen auch einen Wettbewerbsvorteil. Denn die Mitglieder finden hier immer passende Ansprechpartner, z.B. bei rechtlichen oder unternehmerischen Fragen oder, wenn es um die Interessensvertretung gegenüber der Politik, den Behörden und Verbänden geht. „Auch über den Landesinnungsverband Bayern erhalten unsere Mitglieder wertvolle Beratungsleistungen, sagt Weber. Da ist es von Vorteil, dass sich Münchner Innung und Landesinnungsverband am gleichen Standort befinden.

Was die Innung beschäftigt 

Im Vordergrund der Innungsarbeit steht auch, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen, die das Maler- und Lackiererhandwerk bewegen. Diese werden im Rahmen der Vorstandssitzungen rege diskutiert. „Da kann es schon auch mal zur Sache gehen, denn unterschiedliche Meinungen gibt es immer. Was zählt ist aber, dass wir am Ende gemeinsam eine Sache vertreten, die uns wichtig ist“, sagt Romanow. Dazu gehört z.B. die Aufstockung des Bildungszentrums oder aktuell auch eine Digitalisierungsoffensive.

Letztlich ist für die Münchner Innung neben dem Tagesgeschäft vor allem die Vorbereitung auf eine Zukunft mit gut ausgebildeten Fachkräften von überragender Bedeutung. „Denn“, so Weber: „Handwerk beginnt tatsächlich im Kopf“.

Autorin: Kyra Kutter

www.malerinnung-muenchen.de

Bild: Zu Besuch bei der Maler und Lackierer Innung München Stadt und Land: Geschäftsführer der Innung Jürgen Weber (l.) und Obermeister Andreas Romanow (2. v. r.) haben Sandra Wulkan, Geschäftsführerin Verlag W. Sachon (2. v. l.), Kyra Kutter, Chefredakteurin MALER UND LACKIERERMEISTER (Mitte) und Klaus Mehler, Vorstand Krammer Verlag Düsseldorf AG, in den Geschäftsräumen der Innung empfangen. 
Quelle: Verlag W. Sachon

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