Die Teilnehmer der Tagung Bild: Anja Brunnengräber

TWU-Tagung des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz

Am 17. und 18. Oktober 2024 fand in Lübeck die Herbsttagung des Ausschusses Technik, Werkstoff, Umwelt des Bundesverbandes Farbe und der Sachverständigenobleute der Landesverbände statt. Starker Fokus der Veranstaltung lag auf WDVS sowie nachhaltigen Produkten.

Nach der Begrüßung durch Stefan Ehle, leitete Jost Grund den Vortrag „Beurteilung der Standfestigkeit von WDVS und Berechnung der Standsicherheit bei nachträglichen Maßnahmen (WDVS „Vernadeln“)“ ein. Er führte ein Sanierungsbeispiel aus: Am betroffenen Objekt wurde ein WDVS mit Klinkeroberfläche fnicht fachgerecht verarbeitet. Wegen Schäden an de der Verfugung und Feuchtigkeitsaustritten wurde die Öffnung der Bauteile durcheinen Sachverständigen veranlasst. Grund übergab dann das Wort an den Referenten Detlef Keßler von der Ingenieurgesellschaft Bauforschung Keßler & Oberhaus, der tiefere Einblicke in das Projekt gab. 

Keßler führte an dem Objekt Fassadenöffnungen durch und stellte fest, dass der erforderliche Klebeflächenanteil deutlich unterschritten war. 

Besonderheiten ergaben sich auch bei der Anzahl und Verteilung der Dübel. Mit 3-4 Dübeln/m² waren zu wenig Dübel gesetzt. Außerdem war ein Dübelschema nicht erkennbar, die Dübelverteilung also nicht gleichmäßig, die Standsicherheit folglich nicht gegeben.

Die Fassade sollten jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht abgerissen werden. Der  Auftrag des Ingenieurbüros bestand darin, Maßnahmen festzulegen, wie die Standsicherheit auf die Vorgaben der Zulassung ertüchtigt werden kann.. Vor Ort begann eine intensive Untersuchung, bei der über 170 Bauteilöffnungen vorgenommen wurden. Ziel war es, die erforderlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Standsicherheit festzulegen und diese rechnerisch nachzuweisen. 

Mit folgenden Maßnahmen gelang es schließlich, eine Sanierung zu einem WDVS nach Zulassung durchzuführen und den Abriss zu vermeiden:

  • Klebemörtel injiziert
  • Unterputz ergänzt
  • Dübel gesetzt
  • Unterputz mit Gewebe eingebracht
  • Klinkerriemchen ergänzt
  • Fugenmörtel eingebacht

Die Sanierung war günstiger und nachhaltiger als ein Abriss und Neuaufbau.

Mit den Teilnehmern diskutiert wurde die zulässige Dicke der Klebeschicht für Dämmplatten. Grund erwähnte zuvor, dass stellenweise mit einer Dicke von 4 cm verklebt wurde. 

Laut Zulassungen gilt eine maximale Dicke von 2 cm. Der Referent erläuterte, dass er einst an einer Sitzung des DBT (Deutschen Instituts für Bautechnik) teilnahm, bei der die Frage der zulässigen Kleberschichtdicken näher beleuchtet wurde. Dabei wurde verdeutlicht, dass die Angaben in den Zulassungen oft missverstanden werden. Einzelne Überschreitungen an Unebenheiten wie Löchern oder Mulden sind keine wesentliche Abweichung von den Vorgaben.

Anschließend referierte Matthias Körber von Worlée Chemie zum Thema „Nachhaltige Produkte durch nachhaltige Rohstoffe – Leindotteröl in Alkydharzen“. Dabei ging es um die Fragen, wann Leindotter wirklich nachhaltig ist. Leindotteröl ist dabei ein nachhaltigerer Alternativrohstoff zu Leinöl. Es ist in seinen Anwendungsergebnissen nahezu identisch, was durch eine chemische Analyse der beiden Ölsorten bestätigt wurde.

Gemeinsam mit regionalen Landwirten baut Worlée bereits seit 2017 Leindotter im Mischfruchtanbau zusammen mit Erbsen an. Durch den regionalen Anbau sind die Transportwege kürzer und der Energieverbrauch geringer. Ein weiterer Vorteil: Es müssen weniger alternative Öle für die Herstellung von Bindemitteln importiert werden. 

Weitere Themen der Tagung waren u. a. die JVEG-Novelle, bundeseinheitliche Sachverständigen-Prüfung sowie Entfeuchtungssysteme und Wärmedammputze.

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