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Wer gibt dem Malerhandwerk seine Stimme?

Die Maler- und Lackierer-Innung Kassel Stadt und Land im Porträt.

Das Malerhandwerk hat in den vergangenen 25 Jahren unter dem Verlust seines Ansehens gelitten. Diese Tatsache erschwert es Betrieben, qualifizierte Jugendliche als Auszubildende zu gewinnen. Die Mitgliedsbetriebe der Maler- und Lackierer-Innung Kassel Stadt und Land konnten die Zahl der Auszubildenden dennoch stabil halten. „Der anstehende Ruhestand der Babyboomer-Generation wird die Firmen aber vor große Herausforderungen stellen“, sagt Bernd Doose. Die Größte davon ist die Nachwuchsgewinnung. Und der Obermeister spricht aus Erfahrung. Denn auch für seinen eigenen Betrieb hat er keinen Nachfolger gefunden. Seitdem vermietet er seine „Malerwerkstatt Doose“.

Dooses Ansicht nach sollten Betriebe mehr dafür tun, sichtbar zu werden – unter anderem auch auf politischer Ebene: „Das Malerhandwerk wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.“ Als ehemaliger ehrenamtlicher Stadtrat und Ehrenkreishandwerksmeister von Kassel hat er sich dafür eingesetzt, dass die „Politik immer auch an das Handwerk denkt und die Stimme des Handwerks zur Geltung kommt.“ Denn ohne Stimme in der Öffentlichkeit bleiben die Belange der Betriebe ungehört und die Probleme – wie z. B. die fehlenden Auszubildenden – ungelöst.

Dafür macht er aber nicht nur die Betriebe und deren fehlendes politisches Engagement verantwortlich. Er nimmt insbesondere auch die zahlreichen organisatorischen, technischen und bürokratischen Vorgaben sowie Pflichten in die Mangel. Sich Tag für Tag damit auseinanderzusetzen sorgt für eine Überlastung der Unternehmen. „Ein Betriebsinhaber ist meist damit beschäftigt, sich um irgendwelche Formalitäten zu kümmern. Zeit für andere wichtige Dinge wie zum Beispiel die Nachwuchswerbung: Fehlanzeige!“, bemängelt Doose.

Für Nachwuchsgewinnung benötigt es Zeit und Kreativität 

Junge Menschen können für das Maler- und Lackiererhandwerk begeistert werden. Davon ist Doose überzeugt. Im Fokus sollte dabei stehen, die Jugendlichen schon so früh wie möglich – also bereits in der Schulzeit – abzuholen und sie mit regelmäßigen Workshops an das Handwerk heranzuführen. So können sich die Jugendlichen ausprobieren und sehen, was das Handwerk zu bieten hat.

„Begeisterung schafft man durch das ‚Machen‘ und durch echte Teamarbeit sowie Wertschätzung durch die Gesellschaft. Dadurch wird auch die Faszination für das Erschaffen von Dingen mit den eigenen Händen geweckt. Auch die zahlreichen digitalen Möglichkeiten in- und extern sorgen dafür, dass das Handwerk attraktiver und zeitgemäßer wird“, sagt Doose.

Innungsbetriebe arbeiten Hand in Hand

Seit Doose Obermeister der Innung ist, kämpft er dafür, junge Menschen anzusprechen und sie zu motivieren. Nicht nur dazu, sich für einen Beruf im Malerhandwerk zu entscheiden, sondern auch, in der Innung aktiv zu werden. Denn leider sinkt die Anzahl der Betriebe, die sich innerhalb der Innung starkmachen. Und das obwohl die Mitgliedschaft einige Vorteile bietet.

„Handwerksbetriebe sind meist Einzelkämpfer und stehen im Konkurrenzkampf mit anderen Firmen. Für Innungsbetriebe ist das nicht der Fall. Durch die Bildung von Arbeitsgemeinschaften zur Ausführung größerer Projekte können sie sich einen Wettbewerbsvorteil schaffen. Der regelmäßige Austausch unter Kollegen ist dabei viel wert“, so der Obermeister.

Zudem erhalten die Betriebe jederzeit Unterstützung in rechtlichen, bürokratischen und organisatorischen Belangen und können die wirtschaftlichen und juristischen Angebote von Landes- und Bundesverband nutzen. Diese Art der Unterstützung ist vor allem in turbulenten wirtschaftlichen Zeiten, wie sie gerade herrschen, wichtig. Und auch in Sachen Aus- und Weiterbildung ist die Innung Kassel Stadt und Land Partner für ihre Mitglieder. Eine Ausbildungswerkstatt mit Ausbildungsmeister im Bildungszentrum bietet überbetriebliche Unterstützung. Die Gründung dieser Ausbildungswerkstatt zählt Doose zu einem der größten Erfolge der Innung, seit er Obermeister ist. „Mit die wichtigste Aufgabe einer Innung ist die Unterstützung der Lehrlinge. Und dies bietet die Ausbildungswerkstatt.“

Weitere Angebote der Innung umfassen Fachtagungen, Seminare und Weiterbildungskurse an der Malerakademie sowie den Dokumentenservice HAWIS. Dieser stellt Vorlagen u.a. für Steuern, Unternehmensführung oder Baurecht zur Verfügung.

Ein Mix aus Vergangenem und Zukunft

Obwohl die aktuelle Lage im Handwerk – auch in Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen – alles andere als einfach ist, blickt Bernd Doose optimistisch in die Zukunft: „Unsere Betriebe haben in den vergangenen Jahrzenten gelernt, sich an Veränderungen im Markt anzupassen und die meisten Betriebe werden das auch jetzt wieder schaffen.“

Für die Zukunft wünscht der Obermeister sich ein Stückchen Vergangenheit zurück. „Früher waren Inhaber eines Malerbetriebs repräsentative Geschäftsleute. Sie haben in der Gesellschaft ein hohes Ansehen genossen und ihre Malerkleidung mit Stolz getragen.“ Dass dies heute nicht mehr der Fall ist bedauert Doose. Dennoch ist ihm bewusst, dass früher nicht alles besser war. Die Digitalisierung z.B. und die technischen Möglichkeiten, die sie bietet, sind auch im Handwerk nicht mehr wegzudenken.

Könnte das Malerhandwerk nicht beides haben? Die digitalen Möglichkeiten von heute und die Anerkennung von damals? Das zu erreichen – auch das gehört zur Innungsarbeit. 

Autorin: Kyra Kutter

Bild: Bernd Doose, Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Kassel Stadt und Land
Quelle: Verlag W. Sachon

 

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