Bild: pivopix – Christoph Große / Sto-Stiftung

DenkmalCamp der Sto-Stiftung war „spannend, lehrreich, hammer“

Zwölf Tage lang wurde die mittelalterliche Kirchenburg in Martinsdorf (Metiş) zur Werkstatt für 20 Auszubildende aus dem Maler- und Stuckateurhandwerk. Beim DenkmalCamp 2026 der Sto-Stiftung arbeiteten sie am Pfarrhaus und weiteren Gebäuden des historischen Ensembles und erweiterten ihr Wissen über Denkmalpflege, traditionelle Materialien und historische Gestaltungstechniken.

Handwerkstechniken direkt am Denkmal

Das Programm verband Theorie mit praktischer Arbeit an der historischen Bausubstanz. Unter Anleitung erfahrener Fachleute beschäftigten sich die Auszubildenden mit Graumalerei, Befunduntersuchungen und freskaler Kalkputzschablonierung. Sie fertigten Stuckprofile, stellten Stuckmarmor her und erprobten verschiedene Techniken der Marmormalerei.

Am historischen Torbogen brachten sie Kalk-Trassputz auf, füllten Fehlstellen und führten Beiputzarbeiten aus. „Wer alte Techniken wie die Marmorierung einmal selbst anwendet, versteht, warum es sich lohnt, sie zu erhalten“, sagt Matthias Völlinger, Referent für Marmorierung. „Handwerk lernen Menschen nicht aus dem Lehrbuch, sondern indem sie gemeinsam vor Ort mit echten Materialien arbeiten.“

Auch bei den Teilnehmenden kamen die historischen Techniken gut an. „Mich hat besonders interessiert, wie sich Marmor imitieren lässt und welche unterschiedlichen Arten es gibt“, sagt Paula Steinbrück. Für Chantal Both war Stuckmarmor das Highlight. Zudem habe sie gelernt, Putz als Sackware durch selbst hergestellten Kalkputz zu ersetzen.

Baukultur erleben

Zwei Exkursionen ergänzten die praktische Arbeit. Die Gruppe besuchte historische Bauwerke unter anderem in Sibiu, Michelsberg, Alma Vii, Reichesdorf, Biertan und Mediaș. Außerdem erhielten die jungen Handwerkerinnen und Handwerker Einblick in eine der letzten fünf traditionellen Glasbläsereien Rumäniens. Die Werkstatt fertigt unter anderem Gläser für die Restaurierung historischer Fenster.

So lernten die Teilnehmenden die Baugeschichte Siebenbürgens, regionale Handwerkstraditionen und die Bedeutung der Kirchenburgen kennen. „Das DenkmalCamp steht für Lernen im authentischen Kontext. Die Teilnehmenden arbeiten nicht nur an Übungsplatten, sondern an erhaltenswerter Bausubstanz“, sagt Projektleiter Gregor Botzet. Gleichzeitig lernten sie, welche Planung, Sorgfalt und Materialkenntnis die Instandsetzung historischer Gebäude erfordert.

Gemeinschaft und Denkmalschutz

Neben dem Fachprogramm prägte das gemeinsame Leben im Pfarrhof die zwölf Tage. Die Azubis organisierten ihren Alltag zusammen, tauschten sich über ihre Ausbildungswege aus und bereiteten zum Abschluss einen Festabend mit Vier-Gänge-Menü vor.

Für viele Teilnehmende erweiterte das Camp auch die Perspektive auf den Denkmalschutz. Sie erlebten unmittelbar, wie historische Gebäude mit handwerklichem Können und einem Verständnis für ihre Geschichte erhalten und weiterentwickelt werden können. Teilnehmerin Sina Rüegg fasst ihre Erfahrungen knapp zusammen: „Spannend, lehrreich, hammer.“

sto-stiftung.de

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