Bild: Hanskie28/stock.adobe.com

Wohnungsbau in der Krise: 1,35 Millionen Wohnungen fehlen

Deutschland steckt beim Bauen und Wohnen in einer tiefen Krise. Bundesweit fehlen aktuell rund 1,35 Mio. Wohnungen. Gleichzeitig ist der Wohnungsneubau stark eingebrochen. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts kostet dieser Rückgang Deutschland 0,6 Prozentpunkte beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) und führt zu einem Wohlstandsverlust von mindestens einem Prozent. Das geht aus dem „Bau-Monitor 2026“ hervor, den das Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat.

Wohnungsneubau erreicht neuen Tiefpunkt

Für 2026 werden laut ifo-Institut nur noch rund 185.000 neue Wohnungen prognostiziert. Studienleiter Matthias Günther kritisiert die Bundesregierung scharf: Der Wohnungsbau müsse als strategische Aufgabe verstanden werden, um Deutschland wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen.

Wie stark der Einbruch ist, zeigt der Vergleich mit 2023: Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 84.600 Wohnungen bzw. mehr als 9 Mio. m2 Wohnfläche weniger gebaut als zwei Jahre zuvor. Allein für die Bauwirtschaft bedeutet dies einen Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Mrd. Euro. Gleichzeitig nahm der Staat nach Berechnungen des Pestel-Instituts 5,1 Mrd. Euro weniger Umsatzsteuer und 1,9 Mrd. Euro weniger Grunderwerbsteuer ein.

Wohnungsmangel bremst auch den Arbeitsmarkt

Die Bau- und Immobilienwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: 4,73 Mio. Menschen und damit mehr als jeder zehnte Beschäftigte arbeiten in diesem Bereich. Gleichzeitig entwickelt sich der Wohnungsmangel zunehmend zur Beschäftigungsbremse. Besonders in wirtschaftsstarken Regionen erschweren fehlende bezahlbare Wohnungen die Besetzung offener Stellen. Arbeitnehmer ziehen nicht an einen neuen Arbeitsort, wenn sie dort keine bezahlbare Wohnung finden.

Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel. In den kommenden zwölf Jahren werden jährlich rund 400.000 Beschäftigte mehr in Rente gehen, als junge Menschen ins Erwerbsleben nachrücken. Nach Einschätzung des Pestel-Instituts lässt sich diese Entwicklung ohne Zuwanderung nicht auffangen.

BDB fordert „Dynamik-Paket“

Um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln, fordert der BDB ein „Dynamik-Paket ‚Wohnen macht Wirtschaft‘“. Neubau, Sanierung und Investitionen würden derzeit zunehmend gestrichen oder aufgegeben. In der Folge müssten Bauwirtschaft und Baustoffhersteller Kapazitäten abbauen, Fachkräfte gingen verloren und weitere Insolvenzen drohten.

Der BDB fordert deshalb eine langfristig verlässliche und milliardenschwere Förderung des Neubaus. Gerade bei Mehrfamilienhäusern sei Wohnungsbau ein über Jahre angelegter Prozess. Die angekündigten Förderkürzungen für das kommende Jahr könnten nach Ansicht des Verbandes weitere Unternehmen der Bauwirtschaft in Existenznot bringen.

Einfacher und schneller bauen

Neben einer besseren Förderung fordert der Verband mehr Tempo beim „Gebäudetyp-E-Gesetz“, um kostengünstiger und mit weniger überzogenen Normen und Auflagen bauen zu können. Zudem schlägt der BDB vor, bei Mehrfamilienhäusern mit bis zu zwölf Wohneinheiten auf eine Baugenehmigung zu verzichten, sofern die Vorgaben des jeweiligen Bebauungsplans eingehalten werden. Das könne Zeit und Kosten sparen.

Außerdem fordert der Verband eine monatliche Bundesstatistik der Baubeginne. Diese soll ein aktuelleres Bild der tatsächlichen Neubauaktivität liefern als die Zahl der Baugenehmigungen, da zwischen Genehmigung und Fertigstellung mehrere Jahre liegen können und nicht jede genehmigte Wohnung tatsächlich gebaut wird.

Weitere Beiträge